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Dennis Bastian, Märkte zwischen Bangen und Hoffen in:

VDI nachrichten, page 18 - 18

VDI nachrichten, Volume 74 (2020), Issue 30-31, ISSN: 0042-1758, ISSN online: 0042-1758, https://doi.org/10.51202/0042-1758-2020-30-31-18-1

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VDI Verlag, Düsseldorf
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18 TECHNIK & WIRTSCHAFT 24. Juli 2020 · Nr. 30/31 Zwei Entwicklungen prägten die internationalen Rohstoffmärkte im ersten Halbjahr 2020 besonders stark. Zum einen gab es bereits seit November 2019 deutliche Signale der Annäherung im Handelsstreit zwischen den USA und China. Der Abschluss eines Teilabkommens im Handelskonflikt am 15. Januar – sowie zuvor die Aussicht darauf – sorgten zeitweise für steigende Rohstoffnotierungen. Zum anderen rückten Auswirkungen von Covid-19 spätestens seit Ende Januar in den globalen Fokus. Gestartet als Epidemie im chinesischen Wuhan, waren zunächst vor allem asiatische Aktien- und Rohstoffmärkte betroffen. Der Preis für Kupfer fiel Ende Januar innerhalb von zehn Tagen um 11 %, die Preise für Zink und Eisenerz um jeweils 10 %, der Zinnpreis fiel um 8 % und der für Aluminium um 5 %. China veranlasste lokale Shutdowns, wodurch Ausbrüche im Inland eingedämmt werden konnten. Mit Ausnahme von Zink stabilisierten sich die dargestellten Preise bis in den März hinein. Am 11. März erklärte die WHO Covid-19 zu einer Pandemie. Daraufhin brachen die Preise an der Londoner Metallbörse (LME) dramatisch ein – vor allem der Kupferund der Zinnpreis fielen innerhalb von nur zehn Tagen um ca. 16 %. Der Aluminiumpreis sank bis Mitte April auf rund 1420 $/t und verlor damit seit der Pandemieerklärung der WHO rund 15 %. Seit den Tiefständen im März zogen die Preise wieder deutlich an. Hauptgrund: Die Industrieproduktion in China, aber auch in anderen Teilen der Welt hat an Fahrt aufgenommen. Der Kupfer- und Zinnpreis notieren aktuell mit +6 % und +1,3 % sogar höher als zu Beginn des Jahres. Auch die anderen Industriemetalle liegen nur noch wenig unter ihren Präpandemieniveaus. Der Aluminium- und der Nickelpreis sind mit –6,0 % und –4,2 % noch am weitesten von ihrem Januar-Niveau entfernt. Dennis Bastian Der Autor ist Experte für Industriemetalle bei der Deutschen Rohstoffagentur (DERA). n ROHSTOFFPREISE Preisentwicklung Kupfer + 20 % 100 % - 20 % + 50 % 24.4. 2017 bis 15.7. 2020 Grafik: VDIn 30-31/2020, Gudrun Schmidt Quelle: DERA Die in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) ansässige Deutsche Rohstoffagentur (DERA) analysiert und bewertet für die Leser der VDI nachrichten die Preise der Basismetalle. Die dargestellten Rohstoffpreise sind indexiert. Ausgangpunkt ist das Preisniveau vom April 2017. Die DERA ist das rohstoffwirtschaftliche Kompetenzzentrum für die deutsche Wirtschaft. Die DERA berät deutsche Unternehmen bei der nachhaltigen sowie sicheren Rohstoffversorgung und informiert über Preis- und Lieferrisiken auf den internationalen Rohstoffmärkten. Märkte zwischen Bangen und Hoffen Preisentwicklung Nickel + 50 % 100 % - 50 % + 100 % 24.4. 2017 bis 15.7. 2020 Grafik: VDIn 30-31/2020, Gudrun Schmidt Quelle: DERA Preisentwicklung Aluminium + 20 % 100 % - 20 % - 50 % + 50 % 24.4. 2017 bis 15.7. 2020 Grafik: VDIn 30-31/2020, Gudrun Schmidt Quelle: DERA 24.4. 2017 bis 15.7. 2020 Grafik: VDIn 30-31/2020, Gudrun Schmidt Quelle: DERA Preisentwicklung Zinn + 20 % 100 % - 20 % - 50 % Preisentwicklung Blei + 20 % 100 % - 20 % - 50 % + 50 % 24.4. 2017 bis 15.7. 2020 Grafik: VDIn 30-31/2020, Gudrun Schmidt Quelle: DERA Preisentwicklung Zink + 20 % 100 % - 20 % - 50 % + 50 % 24.4. 2017 bis 15.7. 2020 Grafik: VDIn 30-31/2020, Gudrun Schmidt Quelle: DERA Von Iestyn Hartbrich S ie enthält den ungeliebten, oft giftigen Rest, Hüttenwerke wollen sie loswerden: Die Schlacke. Jene Flüssigphase, die zum Beispiel auf dem Roheisen im Hochofen schwimmt und die kaum jemals woanders Verwendung findet als im Straßenbau. „Auf Schlacke spielen“, das hieß in den Zechensiedlungen des Ruhrgebiets: Fußball nicht etwa auf gepflegtem Rasengrün, sondern auf rot-braunen Hartplätzen, deren körniger Belag nach der Grätsche im aufgeschürften Knie verbleibt. Forschende der namhaften deutschen Bergbauuniversitäten blicken anders auf die Schlacke. Sie sehen in ihr nicht das Ärgernis, sondern den Schlüssel zu geschlossenen Stoffkreisläufen. In einem Schwerpunktprogramm der deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) wollen sie in den kommenden Jahren herausfinden, wie sich Hochtechnologiemetalle wie Indium und Gallium aus Elektronikschlacken recyceln lassen, wie man einen Haufen eingeschmolzener Handys wieder in seine Elemente verwandeln kann. Ein DFG-Schwerpunktprogramm, das bedeutet Grundlagenforschung – für Jahre, wenn nicht Jahrzehnte. Das Schlackenrecycling setzt ganz am Anfang an. „Die unedleren Hochtechnologiemetalle kommen alle aus dem Bergbau. Es gibt quasi kein gezieltes Recycling“, sagt Urs Peuker, Lehrstuhlinhaber für Mechanische Verfahrenstechnik und Aufbereitungstechnik an der TU Bergakademie Freiberg. In modernen Handys finden sich zwischen 53 und 60 Elemente. Nur 19 davon lassen sich heute wirtschaftlich zurückgewinnen, sagt Daniel Goldmann, der den Lehrstuhl für Rohstoffaufbereitung und Recycling der TU Clausthal innehat. Vor allem die unedleren Metalle Kunsterz Werkstoffe: Viele Hightech-Metalle landen mangels Recyclingverfahren auf der Deponie. Nun gibt es eine Idee: sie in Schlacken zu Kunsterzen anzureichern. werden nicht recycelt und landen auf der Deponie. Werden Elektronikgeräte eingeschmolzen, bilden sich in der Regel mehrere Flüssigphasen. Die Legierungsphase liegt unten und besteht aus den edleren Elementen, zum Beispiel Kupfer und Gold. Diese liegen in Reinform vor, weil sie kaum mit dem Sauerstoff aus der Umgebungsluft und anderen Erzbildnern wie Schwefel und Phosphor reagieren. Bislang konzentriert sich die Industrie auf das Recycling dieser Edelmetalle. Über der Legierungsphase schwimmt in der Regel eine Schlackephase, die den Rest enthält. Sie enthält giftige Schwermetalle, aber auch immer größere Anteile der unedlen Hightechmetalle Indium, Gallium und Lithium. Dazu Seltenerdmetalle und das Tantal aus Hochleistungskondensatoren. Hinzu kommt: Die Metalle liegen in der Schlacke nicht ANZEIGE

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