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Thomas A. Friedrich, Jüngster Kommissar aller Zeiten in:

VDI nachrichten, page 2 - 2

VDI nachrichten, Volume 74 (2020), Issue 30-31, ISSN: 0042-1758, ISSN online: 0042-1758, https://doi.org/10.51202/0042-1758-2020-30-31-2

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VDI Verlag, Düsseldorf
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n INHALT In schwerer See 8 Geraten große Containerschiffe in heftige Roll bewegungen, entstehen Beschleunigungskräfte, denen die Ladung nicht standhält. Behörden und Reedereien suchen nach Gegenmitteln. Konkurse rund ums Rohöl 11 Raffinerien in Europa droht die Stilllegung, über US-Schieferöl- und -gasförderern kreist der Pleitegeier. Der dauerhaft niedrige Ölpreis fordert seine Opfer. Technische Lösungen sind jetzt gefragt 14 Nachdem der Europäische Gerichtshof die Regeln des Datenaustauschs zwischen der EU und den USA gekippt hat, müssen Hochschulen und Industrie ihre Praktiken überdenken. FOKUS: Mobil in der Stadt 20 Wie die Coronakrise neue Chancen für den innerstädtischen Verkehr eröffnet. Mit der Abwärme von Servern die Gebäude heizen 24 Die Dresdner Firma Cloud & Heat Technologies hat eine Warmwasserkühlung entwickelt, mit der sich Abwärme nutzbar machen lässt. Der Skandal-Flieger 26 Mit dem Starfighter traf vor 60 Jahren ein Hightechflugzeug auf eine überforderte Armee. Mit tödlichen Folgen für 116 Piloten. „Berater kommen bei mir nicht ins Haus!“ 28 Nachhaltigkeit und Qualität sind für Trigema- Chef Wolfgang Grupp internationale Wettbewerbsvorteile, Größenwahn und Gier hingegen deutliche Zeichen des Werteverfalls. Aus dem VDI 39 Eine Expertenrunde diskutierte das Recycling von Kunststoffprodukten. Technik Boulevard 40 Ein paar Basics zum Basteln dürfen in keiner Hobbygarage fehlen. Wir zeigen Beispiele, die kein Vermögen kosten, dank ihrer Qualität aber über viele Jahre Freude bereiten. Fo to : H av ar ie ko m m an do Fo to : i m ag o im ag es /R up er t O be rh äu se r Fot o: W ab ec o Von Thomas A. Friedrich M it einem Alter von nur 29 Jahren ist Virginijus Sinkevicius der jüngste EU-Kommissar aller Zeiten. In ihrem Team aus 27 Kommissaren betraute EU-Präsidentin Ursula von der Leyen ihn mit dem Dossier für Umwelt, Ozeane und Fischerei. Der Shootingstar aus Litauen brach schon in seiner baltischen Heimat alle Rekorde: Mit 26 Jahren zog er ins Parlament ein, mit 27 wurde er jüngster Minister seit Wiedererlangung der staatlichen Unabhängigkeit Litauens. Als Ressortchef für Wirtschaft und Innovationen trieb er vor allem die Digitalisierung und die Förderung von Start-ups voran. Gemeinsam mit seiner Schwester wuchs Virginijus Sinkevicius bei der Mutter auf, einer Pflegehelferin im Krankenhaus. Den Vater hat er nie gesehen. Nach dem Studium der Wirtschafts wissenschaften und des Völkerrechts in Großbritannien sowie an der niederländischen Europa-Universität Maastricht arbeitete er zunächst als Journalist für das Onlinenachrichtenportal „Lithuania Tribune“. Der agile Litauer ist seit 1. Dezember 2019 EU- Umweltkommissar. Als sein väterlicher Freund im Kollegium gilt der 59-jährige Niederländer Frans Timmermans, der als 1. Stellvertreter von Kommissionspräsidentin von der Leyen für den europäischen „Green Deal“ verantwortlich ist. Den ersten Baustein für das anvisierte Ziel, die EU bis 2050 zur ersten kohlenstoffneutralen Region der Welt zu machen, bilden seine Strategien „Vom Hof auf den Teller“ und zur Biodiversität. Gemeinsam mit Timmermans präsentierte Sinkevicius die Vorstellungen der EU-Kommission für die Neuorientierung der Landwirtschaft und zum Erhalt der Artenvielfalt. „Wir wollen die europäischen Landwirte dafür gewinnen, bis 2030 auf den Feldern 50 % weniger Pestizide auszubringen, den Antibiotikaeinsatz in der Tiermast zu halbieren und die ökologische Landwirtschaft auf 25 % auszuweiten“, erklärte Sinke vicius. Dass der EU-Umweltkommissar im litauischen Parlament dem „Bund der Bauern und Grünen“ angehörte, macht seine Ideen aus Sicht des europäischen Bauernverbandspräsidenten, Joachim Rukwied, dennoch nicht attraktiv: „Dies ist ein Generalangriff auf die europäischen Landwirte“, kritisierte der deutsche Bauernpräsident. Den ehrgeizigen Umweltkommissar ficht das nicht an. Gemeinsam mit dem EU-Agrarkommissar stand er unlängst in einer Videokonferenz den Landwirtschaftsministern der deutschen Bundesländer bei der Agrarministerkonferenz Rede und Antwort. Darin machte Sinkevicius deutlich, wo es für Europas Landwirte im Sinne eines „Green Deal“ seiner Meinung nach hingehen soll. „Der EU-Haushalt für die kommenden sieben Jahre, von 2021 bis 2027, wird 25 % der Gelder für Klimamaßnahmen aufweisen“, erklärte der Litauer. Für den EU-Agrarhaushalt der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) seien 18 Mrd. € mehr eingeplant – vor allem für Maßnahmen in der sogenannten 2. Säule, die der Förderung einer nachhaltigen und umweltschonenden Bewirtschaftung und der ländlichen Entwicklung dienen soll. In Zukunft solle stärker das Prinzip „öffentliches Geld für öffentliche Leistungen“ gelten. Die deutschen Landwirtschaftsminister zeigten sich nach der Videokonferenz mit Brüssel beruhigt. Denn die ursprünglich vom damaligen EU-Haushaltskommissar Günther Verheugen vorgeschlagenen Agrarkürzungen in Höhe von 15 % im EU- Etat für 2021 bis 2027 sind seit der Corona-Krise vom Tisch. Bauchschmerzen bereitet den Bauern hingegen weiter die hochgelegte Messlatte, im kommenden Jahrzehnt den Pflanzenschutzmittel- und den Antibiotikaeinsatz zu halbieren. Auch die europäische Industrie hat Vorbehalte. Die Ideen des Litauers zur Reduktion von Plastik und zu schärferen Recyclingquoten im Rahmen der Kreislaufwirtschaftsstrategie erscheint ihr zu forsch. So sieht der kürzlich überarbeitete „Plan für Kreislaufwirtschaft“ vor, dass Verbrauchern ein „Recht auf Reparatur“ für Elektronikartikel eingeräumt wird. Der Hersteller müsse nachweisen, dass als „grün“ beworbene Produkte tatsächlich klimafreundlich seien. „Abfallvermeidung und die mehrfache Verwendung von Rohstoffen sind unerlässlich, um die Pariser Klimaziele zu erreichen und bis 2050 klimaneutral zu werden“, Jüngster Kommissar aller Zeiten Porträt: EU-Kommissar Virginijus Sinkevicius macht Wildtierhandel und industrielle Landwirtschaft für Corona-Pandemie verantwortlich. Verantwortlich für den Green Deal: der EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevicius. Foto: Georges Boulougouris Virginijus Sinkevicius n ist seit Dezember 2019 EU-Kommissar für Umwelt, Ozeane und Fischerei. n Er studierte Wirtschaft und internationale Beziehungen an der Aberystwyth University sowie Völkerrecht in Maastricht. Von 2017 bis 2019 war er Minister für Wirtschaft und Innovationen in Litauen. Mit „Farm to Fork“ und einer EU-Biodiversitätsstrategie will er Artenschutz an Land und in Weltmeeren sichern. 2 DIESE WOCHE 24. Juli 2020 · Nr. 30/31 Aktueller Podcast: Kündigung aus heiterem Himmel: Wie verhalte ich mich richtig? n www.ingenieur.de/podcast > > > > > > >

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Schlagworte

Umwelt, Politik, Klima

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