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Martin Ciupek, Zu Fuß in:

VDI nachrichten, page 20 - 20

VDI nachrichten, Volume 74 (2020), Issue 30-31, ISSN: 0042-1758, ISSN online: 0042-1758, https://doi.org/10.51202/0042-1758-2020-30-31-20

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VDI Verlag, Düsseldorf
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20 FOKUS: MOBIL IN DER STADT 24. Juli 2020 · Nr. 30/31 Individualverkehr Fahrrad Mit pedalelektrischen angetriebenen Fahrrädern, sogenannten Pedelecs, ist Vielfalt in den Fahrradmarkt gekommen. Das wirkt sich auch auf die Geschwindigkeitsprofile aus. Statt bisher durchschnittlich unter 20 km/h, werden mit Motorunterstützung mühelos Geschwindigkeiten von 25 km/h bis sogar 45 km/h gefahren. Bei den schnellen S-Pedelecs gilt dann allerdings eine Helm- und Versicherungspflicht. Grundsätzlich sind mit Fahrrädern Radwege zu nutzen. S-Pedelecs gehören jedoch auf die Straße. Seit der Corona-Pandemie wächst die Nachfrage. Zeit für Veränderung Mobilität: Durch die Corona-Krise hat sich das Nutzungsverhalten im Verkehr verändert. Doch Sicherheit und Flexibilität sind allen Verkehrsteilnehmern wichtig. Individualverkehr Zu Fuß Teilnehmende im Straßenverkehr sind der Mobility Studie 2020 des TÜV-Verbands zufolge zumeist mit dem Auto (65 %) oder zu Fuß (50 %) unterwegs. Dennoch werden Fußgänger laut der Studie „Sicher zu Fuß“ der ATZ-Automotive GmbH von 2019 in der Verkehrsplanung immer noch wie ein Stiefkind behandelt. Dabei verweist die Studie auf soziolo gische Erkenntnisse, dass Fußverkehr nicht nur die Luftqualität in der Stadt, sondern auch das soziale Klima verbessere. Fußgänger zählen dabei ebenso wie Radfahrer zu den ungeschützten Verkehrsteilnehmern. Personenbeförderung ÖPNV Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) mit Bus und Bahn ist optimal, wenn viele Fahrgäste transportiert und dabei wenig Stadtraum verbraucht werden soll. Er lohnt sich also besonders für dicht besiedelte Städte. Wer zugunsten des ÖPNV aufs Auto verzichtet, verursacht auf seinen Fahrten im Schnitt weniger Emissionen, muss in der Hauptverkehrszeit jedoch auch mal stehen. Angst, sich in dieser Enge bei Fahrgästen mit Corona anzustecken, und häufigeres Arbeiten im Homeoffice haben zuletzt den Aufwind des ÖPNV gebremst, der als sozial gerechteste Mobilität gilt. Von Martin Ciupek P lötzlich waren sie da: Pop-up- Radwege, die Autospuren für den Radverkehr nutzbar machten. Durch ein verändertes Mobilitätsverhalten zu Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland hat sich in einigen Städten das Bild verändert. „Bisher schien vieles nicht möglich, was jetzt plötzlich geht“, resümiert Achim Kampker. Der Inhaber des Lehrstuhls für Production Engineering of E-Mobility Components an der RWTH Aachen und ehemalige Geschäftsführer des Elektrofahrzeugbauers StreetScooter stellt fest: „Wir sehen jetzt, dass es zu sinnvollen Ergebnissen führt, wenn wir etwas wollen und es ausprobieren.“ Er hofft, auf nachhaltige Veränderungen und sagt: „Wenn Städte dadurch effizienter werden, dann können wir hier Vorreiter in Sachen Innovation sein.“ Auffallend ist, dass mit Beginn der Corona-Pandemie vor allem die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs signifikant zurückging. Laut einer diesen Monat veröffentlichen YouGov-Umfrage im Auftrag der DEVK Versicherungen nutzten 39 % der Befragten den ÖPNV nun seltener. Bei den 18- bis 24-Jährigen sogar 55 %. Dagegen wurden mehr Wege zu Fuß oder mit dem Rad bewältigt, während die Autonutzung nahezu unverändert beliebt blieb. Martin Schmitz, Vorstandsvorsitzender des Forums für Verkehr und Logistik, sagt dazu: „Man stelle sich vor, wir hätten die Fahrgastzahlen im ÖPNV vom letzten Jahr – zusammen mit der aktuellen Radnutzung. Das wäre ein großer Schritt in Richtung Verkehrswende und die richtige Entwicklung für das Klima.“ Auch laut der Mobility Studie 2020 des TÜV-Verband VdTÜV hält fast die Hälfte der Befragten den Ausbau des ÖPNV für wünschenswert. Erhoben wurden die Daten allerdings vor der Corona-Pandemie. Der Studie zufolge nutzten fast zwei Drittel aller Deutschen an einem durchschnittlichen Werktag einen Pkw. Immerhin die Hälfte legte außerdem nennenswerte Strecken zu Fuß zurück. Zu dem Zeitpunkt lag die Nutzung von Fahrrad und öffentlichen Verkehrsmitteln bei jeweils etwa 30 %. Beim ÖPNV machte es allerdings einen großen Unterschied, ob Menschen in einer Großstadt oder eher ländlich lebten. So war die Nutzung von Bus und Bahn in Städten mit über 100 000 Einwohnern mehr als dreimal so hoch wie in Orten mit weniger als 20 000 Einwohnern. Trotz des Konfliktpotenzials auf gemeinsam genutzten Wegen zwischen Nutzenden von Autos und Fahrrädern sowie zu Fuß Gehenden und Fahrrad Fahrenden hat die TÜV-Studie auch wesentliche Gemeinsamkeiten ausgemacht. Unabhängig vom Verkehrsmittel sind den Menschen Flexibilität und Sicherheit im Verkehr wichtig. Auf dieser gemeinsamen Basis lassen sich neue Konzepte aufbauen. Fo to (6 ): p an th er m ed ia .n et /k u2 ra za // U nc le Le o

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