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Peter Steinmüller, Der Krisenmanager in:

VDI nachrichten, page 27 - 27

VDI nachrichten, Volume 74 (2020), Issue 30-31, ISSN: 0042-1758, ISSN online: 0042-1758, https://doi.org/10.51202/0042-1758-2020-30-31-27-1

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VDI Verlag, Düsseldorf
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24. Juli 2020 · Nr. 30/31 TECHNIK & KULTUR 27 Die getöteten Piloten und ihre Familien „Absturzgeld“ für die Witwen „Behandle sie wie eine Dame, sonst bringt sie dich um!“ sagten die Starfighterpiloten über ihr Fluggerät. Alleine im Jahr 1965 starben 15 Soldaten bei 26 Abstürzen. Doch dass nicht nur Pilotenfehler schuld waren, erfuhr die fassungslose Öffentlichkeit erst durch einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum Absturz von Siegfried Arndt am 18. Juli 1966. Zwar landete der Oberleutnant lebend am Fallschirm in der Nordsee. Aber obwohl zwei Marineschiffe in der Nähe waren, ertrank er wegen der mangelhaften Überlebensrüstung. Ein Minensuchboot überfuhr noch den Leichnam, der vier Wochen später am Strand angeschwemmt wurde. Mit Bitterkeit stellte „Die Zeit“ die Kosten für die Nachbesserungen beim Starfighter denen für die Hinterbliebenen gegenüber: „Die Witwen sind am billigsten.“ Die Höhe des „Absturzgeldes“ betrug 1970 40 000 DM , nach heutiger Kaufkraft knapp 70 000 €. Dazu kam eine bescheidene Rente.Foto: dpa Picture-Alliance/Klaus Heirler hochkomplexes Waffensystem, das mit zweifacher Schallgeschwindigkeit bis in die Stratosphäre vorstoßen konnte. Alleine von 1961 bis 1965 musste die Bundeswehr 700 Maschinen in ihren Flugbetrieb integrieren. Offiziere und Feldwebel hatten häufig ihr fliegerisches Wissen noch im Zweiten Weltkrieg erworben, Technische Offiziere mit Ingenieurdiplom waren selten. Weil die F-104 in der Bundesrepublik, den Niederlanden, Belgien und Italien an insgesamt 25 Standorten in Lizenz produzierte wurde, unterschieden sich die Bauzustände von Maschine zu Maschine und erschwerten die Wartung durch unbedarfte Wehrpflichtige zusätzlich. Gebäude und Infrastruktur auf den Flugplätzen stammten aus Kriegstagen, wegen fehlender Hangars parkten die Flugzeuge mit ihrer empfindlichen Elektronik im Freien. Dass die Probleme mit dem Starfighter nicht im Flugzeugtyp selbst begründet waren, zeigte der Vergleich mit anderen Nato-Staaten. Bei ihnen war die Unfallrate weit niedriger. Die vom Luftwaffeninspekteur Johannes Steinhoff angeordneten Maßnahmen senkten ab 1967 drastisch die Absturzrate und vor allen Dingen die Zahl der getöteten Piloten. Dazu investierte die Bundeswehr in die Qualifikation ihrer Soldaten. Die Piloten erhielten eine leistungsfähige Seenotrettungsausstattung sowie das entsprechende Überlebenstraining. Die Zahl der Flugstunden wurde ebenso erhöht wie die Besoldung. Gleichzeitig durften die Piloten vor dem 40. Lebensjahr nicht mehr zu besser dotierten Jobs bei der Lufthansa wechseln. Das Bodenpersonal wurde besser ausgebildet und um zivile Facharbeiter ergänzt. Bei den Piloten war der Starfighter trotz aller Gefahren beliebt. Als „Maserati unter den Jets“ bezeichnet ihn ein Pilot in einer ZDF-Dokumentation. Ein anderer erinnert an die allgegenwärtige Gefahr eines Dritten Weltkriegs, als ständig zehn Starfighter mit untergehängter Atombombe bereitstanden: „Wenn man mir gesagt hätte: Du fliegst jetzt nach Rostock-Laage oder nach Warschau, kommst aber nicht zurück, weil der Sprit nicht reicht, dann wäre ich da hingeflogen – und ich hätte auch getroffen.“ Zeitgeschichte: Mit dem Starfighter traf vor 60 Jahren ein Hightechflugzeug auf eine überforderte Armee. Mit tödlichen Folgen. Fot o: im ag o im ag es /S ve n Si m on Johannes Steinhoff Der Krisenmanager „Der steckt zehn Staatssekretäre in die Tasche“, sagte einmal Helmut Schmidt über Johannes Steinhoff. Bevor der Generalleutnant im Herbst 1966 sein Amt als Inspekteur der Luftwaffe antrat, hatte er zehn Tage lang mit dem Verteidigungsministerium weitreichende Vollmachten ausgehandelt, um die Starfighter-Probleme zu lösen. Sein bei einem Flugunfall in den letzten Kriegstagen entstelltes Gesicht verlieh ihm besondere Glaubwürdigkeit, wenn er öffentlich für sein Krisenmanagement warb. Dazu zählte die Einführung eines neuen Schleudersitzes. Das von Lockheed mitgelieferte Modell (Foto) funktionierte nur ab einer bestimmten Geschwindigkeit. Der Sitz von Martin Bak er rettete den Piloten selbst noch aus einem stehenden Flugzeug, was bei Start- und Landeunfällen wichtig war. Foto: imago images/sepp spiegl Franz Josef Strauß Der Entscheider Der Verteidigungsminister war ein entschiedener Verfechter der atomaren Abschreckung. Die Fähigkeit der deutschen Starfighter-Variante, US-Atombomben zu tragen, sicherte der Bundesregierung die Mitsprache in der Nato beim Kernwaffeneinsatz. Strauß verstand die Kaufentscheidung aber auch als wirtschaftspolitischen Akt, der die Luftfahrtindustrie besonders in Bayern dank der Lizenzbauten an das internationale Branchenniveau heranführen sollte. Mitte der 70er-Jahre wurde bekannt, dass Lockheed den Exporterfolg des Starfighters mit 22 Mio. $ Schmiergeldern gefördert hatte. Dass etwas davon nach Deutschland oder direkt an Strauß floss, wurde nie bewiesen. Die politische Verantwortung für das Starfighter-Debakel musste der CSU-Politiker nicht mehr übernehmen: Ende 1962 trat er wegen der sogenannten Spiegel-Affäre zurück. Foto: dpa Picture-Alliance/Bildarchiv

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