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Jürgen Gießing, Keine Angst vor Muskelkater in:

VDI nachrichten, page 33 - 33

VDI nachrichten, Volume 74 (2020), Issue 30-31, ISSN: 0042-1758, ISSN online: 0042-1758, https://doi.org/10.51202/0042-1758-2020-30-31-33

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VDI Verlag, Düsseldorf
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n FIT IM JOB Keine Angst vor Muskelkater Wenn Sie nach einer längeren Pause wieder mit dem Sporttreiben beginnen, werden Sie an den folgenden Tagen wahrscheinlich sehr genau spüren, welche Muskeln Sie beansprucht haben. Muskelkater ist in seiner normalen Ausprägung unbedenklich. Früher glaubte man, dass Muskelkater entsteht, wenn bei anstrengenden Betätigungen sehr viel Milchsäure im Muskel produziert wird. Milchsäure entsteht, wenn wir sehr intensive Belastungen absolvieren, bei denen der Muskel ohne Sauerstoff arbeiten muss. Im Muskel macht sie sich durch ein intensives „Brennen“ bemerkbar. In der Folge kann es dann zum Muskelkater kommen. Es ist aber nicht die Milchsäure, die den Muskelkater auslöst, sondern winzige „Mikro-Verletzungen“ in den Muskelzellen. Etwa zwölf bis 24 Stunden später kommt es zu winzigen Entzündungen in den Muskelzellen, die den Schmerz hervorrufen. Daher rührt auch der etwas ungewöhnliche Begriff „Muskelkater“, der ebenso wie der alkoholbedingte Kater auf das Wort „Katarrh“ zurückgeht, mit dem eine schmerzhafte Entzündung bezeichnet wird. Besonders häufig tritt Muskelkater nach ungewohnten Belastungen auf oder solchen, bei denen sich der Muskel verlängert. Deshalb fällt der Muskelkater in der Regel stärker aus, wenn Sie einen Berg oder eine Treppe hinuntergehen als beim Hinaufgehen. Wirksame Maßnahmen, die einen Muskelkater schneller wieder abklingen lassen, gibt es nicht. Dies gilt für den Ratschlag, man solle die gleiche Bewegung, die zum Muskelkater geführt hat, noch einmal mit geringerer Intensität ausüben, ebenso wie für Massagen, Salben und Ähnliches. Es bleibt einem also nichts anderes übrig als abzuwarten, bis der Muskelkater sich von allein zurückbildet. Damit der Muskelkater nicht zu stark ausfällt, gibt es zwei einfache Faustregeln: 1. An ungewohnte Belastungen sollten Sie sich stets schrittweise herantasten. 2. Wenn Sie die Trainingsanforderungen erhöhen möchten, steigern Sie entweder die Intensität oder den Umfang des Trainings, keinesfalls beides gleichzeitig. Ein wichtiger Merksatz in diesem Zusammenhang lautet: Am wenigsten schmerzt derjenige Muskelkater, den man vorausschauend vermieden hat. Und wenn es doch einmal passiert, kann man sich mit dem folgenden Umstand trösten. Der beste Schutz vor Muskelkater besteht darin, ihn kürzlich bei genau dieser Bewegung schon erlitten zu haben. Dieselbe Bewegung bei vergleichbarer Intensität führt dann mehrere Wochen lang nicht mehr zu einem Muskelkater (der sogenannte Repeated Bout Effect). Diese Schutzfunktion erlischt erst wieder, wenn die Intensität oder der Umfang des Trainings deutlich erhöht werden. Ansonsten ist man bei dieser Bewegung geschützt – jedenfalls bis zur nächsten Trainingspause. Jürgen Gießing ist Autor zahlreicher Bücher zu Sportthemen, besonders zu Krafttraining und Muskelaufbau. Sein neues Buch „HIT – neu und verbessert“ ist bei Novagenics erschienen. Jürgen Gießing ist Professor für Sportwissenschaft an der Universität Koblenz- Landau. Foto: privat 24. Juli 2020 · Nr. 30/31 KARRIERE & MANAGEMENT 33 in Qingdao von den Chinesen abermals testen lassen. Unabhängig vom Ergebnis geht es danach für 14 Tage in Hotelquarantäne. Die Kosten tragen die Reisenden – beziehungsweise ihre Arbeitgeber – selbst. Auch für Maschinenbauer Grenzebach ist China ein wichtiger Markt. Die Bayern haben dort einen Produktionsstandort, ihre weltweiten Reiseaktivitäten von März bis Juni aber nahezu komplett einstellen müssen. In der Zwischenzeit behalfen sie sich anderweitig. Für die Begehung einer neuen Baustelle hätten sie normalerweise einen Mitarbeiter in Deutschland auf die Reise geschickt, um in Asien nach dem Rechten zu sehen. Stattdessen führten sie die Begehung digital von der Zentrale aus durch, per Videochatprogramm. Für den Rundumblick schraubten die Techniker vor Ort Baustellenüberwachungskameras auf Stative. Dienstreise nach China? Überflüssig. Die Aktion war ein voller Erfolg, berichtet Grenzebach. Denkbar, dass sich diese gelungene Form der Digitalisierung auch zukünftig in sinkenden Reiseaktivitäten niederschlage. Die Bundesregierung will diese lieber ankurbeln. Anfang Juli nahm sie China auf eine Liste von ursprünglich elf Staaten auf, aus denen die unbegrenzte Einreise nach Deutschland wieder erlaubt ist – vorausgesetzt, die Beschränkungen fallen in entgegengesetzter Richtung ebenfalls. Das ist bisher aber noch nicht passiert. Sobald China aufmacht, dürften auch die Mitarbeiterentsendungen wieder zunehmen. Einreisebestimmungen sind das eine, kulturelle Eigenarten das andere. Doch worauf müssen Expats im Reich der Mitte noch achten? „Öffentlich Mitarbeiter kritisieren geht gar nicht“, sagt Katarina Lerch. „Wenn man das macht, verliert man auch selbst sein Gesicht.“ In ihren Seminaren predige sie rauf und runter, dass in China nicht so offen kommuniziert wird wie hierzulande. Da bleiben Dinge unausgesprochen, werden indirekt formuliert, nur angedeutet oder in Watte verpackt. Die klare und ehrliche Ansage, die man in deutschen Büros wertschätzt, ist in chinesischen ein Affront. „Je unangenehmer das Thema, desto indirekter die Kommunikation“, so Lerch. Bis man dies verinnerlicht habe, fließe viel Wasser den Jangtse herunter. „Das kriegt man als Deutscher erst mal gar nicht hin.“ Dem Ungeübten empfiehlt sie die Sandwichstrategie: Mit einer großen Portion Lob beginnen, dann dezent die negative Botschaft dazwischenlegen und hinterher wieder mit Belobigungen bedecken – aber wohlgemerkt immer nur unter vier Augen. Deutsche stehen in China aber nicht nur vor unüberwindbaren Hindernissen, sie haben auch Privilegien. „Von einem deutschen Ingenieur erwartet man, dass er eine gute Ausbildung hat, kompetent und qualifiziert ist und sich mit dem Produkt sehr gut auskennt“, meint Lerch. „Ganz häufig hat man als Westler, der aus der Zentrale kommt, einen höheren Stellenwert.“ Dies bringt Renommee mit sich, aber auch ganz spezielle Rollen erwartungen. Denen müsse man gerecht werden, will man nicht das Ansehen innerhalb der chinesischen Belegschaft verspielen. Einem hochrangigen Manager, der nicht im schicken Oberklassewagen vorfährt, sondern mit dem Fahrrad zur Arbeit radelt, schlage Argwohn entgegen. Oder einem Regional leiter, der leger in Jeans und Sneakers zur Arbeit erscheint und nicht im schicken Anzug. Das Status- und Rollenbewusstsein sei stark ausgeprägt in China, so Lerch, dies dürfe man keinesfalls unterschätzen. Die Sprache ist schwer, manche Sitten ungewohnt, die Einreise problematisch, auch ohne Corona. Bereits seit Ende 2019 werden von Ausländern bei der Antragstellung für ein Visum Fingerabdrücke genommen. Und die Liste der Sorgen und Nöte wird für Expats in China immer länger. So warnt etwa die deutsche Gesellschaft für Außenwirtschaft (GTAI) vor zunehmender Xenophobie. Infolge der Coronakrise sähen sich „Personen mit ausländischem Aussehen immer wieder mit feindlichem Verhalten konfrontiert“, würden aus Restaurants hinausgeworfen oder könnten sich nicht in Hotels einbuchen. Und auch der staatliche Überwachungsapparat hat im Coronavirus eher einen Verbündeten denn einen Kontrahenten. „Seit dem Beginn von Corona beschweren sich viele Ausländer in China, dass sie beim Betreten öffentlicher Gebäude ihre kompletten Daten hinterlassen müssen“, berichtet Katarina Lerch. Ob und wie die Daten auch ins berüchtigte Social Credit System eingehen, mit dem der chinesische Staat seine Bürger wie eine Ratingagentur bewertet, darüber könne man nur spekulieren. Prinzipiell gilt das Social Credit System auch für Unternehmen. „Unsere Kunden sehen die immer stärker werdende Internetkontrolle mit großer Sorge. China ähnelt immer mehr einem Überwachungsstaat“, so Lerch. Da hilft dann auch kein Griff zur Schnapsflasche mehr. Die Firma Grenzebach führte Baustellen begehungen digital durch. Vor Ort schraubten die Techniker Überwachungskameras auf Stative. An Flughäfen in China wird streng auf Corona kontrolliert. Doch die regulären Flugverbindungen nach Deutschland sind noch nicht offen. Foto: Zhang Lang/China News Service/Getty Images

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