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VDI, Muss die Recyclingquote her? in:

VDI nachrichten, page 39 - 39

VDI nachrichten, Volume 74 (2020), Issue 30-31, ISSN: 0042-1758, ISSN online: 0042-1758, https://doi.org/10.51202/0042-1758-2020-30-31-39-1

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VDI Verlag, Düsseldorf
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n AKTUELL Thermische Eigenschaften des Untergrunds ermitteln Erdwärmesonden sind eine hervorragende thermische Energiequelle zum Heizen und Kühlen von Gebäuden. Um Erdwärmesondenanlagen genau zu dimensionieren, müssen die Beschaffenheit und die Eigenschaften des Bodens bekannt sein. Eine Möglichkeit zur Analyse der Wärmeeigenschaften eines Bodens ist der „Thermal-Response- Test“ (TRT). Die neue Richtlinie VDI 4640 Blatt 5 beschreibt das TRT- Messverfahren zur Analyse der thermischen Eigenschaften eines Bodens im Vorfeld der Errichtung einer Erdwärmesondenanlage. Mithilfe eines TRT lassen sich Aussagen über die Wärmeleitfähigkeit des Untergrunds treffen sowie über die Wärmeübertragungseigenschaften der getesteten Erdwärmesonde. Die so gewonnenen Daten bilden die Grundlage für die Auslegung der Erdwärmesondenanlage bzw. für die Wahl eines geeigneten Standorts. Grundsätzlich lässt sich der TRT aber auch zum Aufspüren von Fehlern und zur Leistungskontrolle anwenden. Bei dem Messverfahren wird die Wärmeleitfähigkeit des Bodens mit einer Messapparatur an einer Erdwärmesonde gemessen. Dabei kann auch der thermische Bohrlochwiderstand bestimmt werden. Der TRT dient ausschließlich der Ermittlung von Daten zur Planung von Erdwärmesondenanlagen. VDI 4640 Blatt 5 richtet sich an Planer und Errichter von Erdwärmesondenanlagen sowie an geothermische Prüfinstitute und Sachverständige. Die Richtlinie stellt den Aufbau von TRT-Geräten vor und benennt die Anforderungen an Sensoren und die Messdatenerfassung. Sie leitet durch den konkreten Ablauf eines Thermal-Response-Tests. VDI 4640 Blatt 5 beinhaltet Informationen zur Auswertung der gesammelten Daten nach der Linienquellentheorie und gibt Hinweise zu anderen verfügbaren Auswertungsverfahren. Sie legt auch die Anforderungen an den Messbericht fest. Die Richtlinienreihe VDI 4640 umfasst derzeit insgesamt fünf Blätter, die das Gesamtthema der thermischen Nutzung des Untergrunds (bis etwa 400 m Tiefe) abdecken. Ein weiteres Blatt 6 – „Verfüllen von Erdwärmesonden-Bohrungen – Baustoffe und Verfahren“– ist in Arbeit. n www.vdi.de/4640 Muss die Recyclingquote her? D ie zirkuläre Wertschöpfung nimmt den gesamten Zyklus von Produktion, Gebrauch und Verwertung in den Blick. Ihr Auftrag ist die Transformation von einer linearen Wirtschaft zu einer Kreislaufwirtschaft. Welche Auswirkungen dies für die einzelnen Stufen der Wertschöpfung im Bereich der Kunststoffe hat, diskutierte der VDI im Rahmen der Hannover Messe Digital Days in einer virtuellen Session mit relevanten Stakeholdern. VDI-Direktor Ralph Appel wies darauf hin: „Wir haben uns die letzten 1,5 Jahre immer mehr dem Thema Nachhaltiges Wirtschaften angenommen. Im Rahmen unseres Round Tables zur Circular Econ omy wollen wir mit Akteuren entlang der gesamten Wertschöpfungskette gesamtheitliche Lösungen erarbeiten.“ In der Diskussion stellte sich als große Problematik heraus, dass der Preis von Recyclaten im Vergleich zur Kunststoffneuware zu hoch sei und die niedrigen Ölpreise dieses Problem noch verstärken. Eine gesetzliche Substitutionsquote könnte ein mögliches Instrument sein, um den Einsatz von Recyclaten zu erhöhen. Kathrin Greiff vom Wuppertal Institut betonte, dass eine Quote verhindern solle, dass Kunststoffe in die Umwelt eingetragen würden. Dafür müsse sichergestellt werden, dass die Kunststoffabfälle am Ende noch einen Wert hätten und gar nicht erst in die Umwelt entlassen würden. Gesetzlich vorgegebene Quoten wären da ein erster Ansatz. Christoph Epping vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) wies darauf hin, dass sein Ministerium ein Interesse daran habe, nach der Coronakrise nicht nur eine Recovery, sondern eine Green Recovery zu bekommen. Jürgen Dornheim von Procter & Gamble erläuterte, dass viele Unternehmen über Jahrzehnte, nicht zuletzt aus technischen Gründen, auf Sicht gearbeitet hätten. Das Augenmerk läge aber inzwischen schon viel mehr auf den kompletten Kreisläufen: „Ohne Innovation ist eine effiziente Kreislaufwirtschaft nicht möglich und das sage ich nicht nur für Deutschland, sondern auch mit Blick auf Europa und globale Herausforderungen.“ Ganze Prozessabläufe müssten sich verändern. Zudem brauche es mehr übergreifende Kooperation aller Beteiligten entlang der gesamten Prozesskette, um Kreisläufe zu schließen. „Unsere Entwickler berücksichtigen schon zu Beginn des Produktdesigns das Ende – einschließlich Sortierung und Recycling“, so Dornheim. Zusammenfassend bestätigt die Runde, dass es sich definitiv lohne, entlang der Wertschöpfungskette zu diskutieren. Der VDI wird nun in Zusammenarbeit mit den Stakeholdern ein Green Paper mit ersten Einschätzungen über Handlungsoptionen und -empfehlungen erstellen. VDI Hannover Messe Digital Days: Der niedrige Preis für Kunststoffneuware hemmt die Weiterentwicklung zur Kreislaufwirtschaft. Eine VDI-Expertenrunde diskutierte Lösungen. Technikexperten im Dialog mit Jugendlichen Wissenskommunikation: Ursprünglich als Vor-Ort-Veranstaltung geplant, fand Ende Juni die erste Online variante der Reihe „VDI im Dialog“ statt. Die Idee dahinter: Technisch-wissenschaftliche Inhalte sollen den Jugendlichen aus dem Netzwerk VDI-Zukunftspiloten, Jugend-forscht-Alumni, Mint - EC-Schüler*innen oder auch Fridaysfor-Future-Aktiven näher gebracht werden. Etwa 40 Teilnehmer*innen tauschten sich dabei intensiv mit den Professoren Harald Bradke, Vorsitzender der VDI-Fachgesellschaft GEU, und Thomas Foken von der Universität Bayreuth zum Thema „Klimaschutz – kann man das nicht besser machen?“ aus. Moderiert wurde das 90-minütige Webseminar von Leonie Herold, Mitglied der VDI-Studenten und Jungingenieure. In der Diskussion ging es unter anderem um das gestiegene Interesse mancher Länder in Europa, USA und Asien an Kernenergie. Foken erläuterte: „In der Tat ist Kernenergie eine Möglichkeit, das Klima zu schützen. Was meist nicht berücksichtigt wird, ist der trotzdem vorhandene CO2-Footprint, das heißt Emissionen bei der Urangewinnung, beim Kraftwerksbau und der Abfallendlagerung. Die Kernkraftwerke sind nicht so sicher, dass menschliches Versagen, Naturkatastrophen, Terroranschläge oder Kriegshandlungen zu keinerlei Unfällen führen. Damit hat die Kernenergie nicht mehr das nötige Vertrauen. “ Die Professoren Bradke und Foken riefen die Jugendlichen dazu auf: „Kämpft gegen den Klimawandel! Wir versorgen euch mit den Fakten, die ihr braucht, um mit der Politik, euren Lehrerinnen und Lehrern und allen anderen zu diskutieren.“ Sobald es die Entwicklung von Covid-19 zulässt, wird der VDI das Format „VDI im Dialog“ auch vor Ort in Zusammenarbeit mit den VDI-Bezirks vereinen anbieten. VDI 24. Juli 2020 · Nr. 30/31 AUS DEM VDI 39 n MEIN VDI Die VDI-Veranstaltungen in Ihrer Region und zu Ihrem Fachbereich finden Sie im Mitgliederbereich „Mein VDI“. Über die Detailsuche können Sie auch nach PLZ oder einen Zeitraum suchen. n www.vdi.de/meinvdi Von Beginn an mitgedacht: Bereits bei der Entwicklung neuer Produkte muss das Ende – also die Sortierung und das Recycling – berücksichtigt werden. „Wir wollen mit Akteuren entlang der gesamten Wertschöpfungskette gesamtheitliche Lösungen erarbeiten.“ Ralph Appel, VDI-Direktor Fo to : P an th er M ed ia /K at eN ov ik ov a

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