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Michael Grömling, Ein weiter Weg zur Normalisierung in:

VDI nachrichten, page 4 - 4

VDI nachrichten, Volume 74 (2020), Issue 30-31, ISSN: 0042-1758, ISSN online: 0042-1758, https://doi.org/10.51202/0042-1758-2020-30-31-4-1

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VDI Verlag, Düsseldorf
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4 DIESE WOCHE 24. Juli 2020 · Nr. 30/31 n DIALOG Datenanalyse hilft bei der Entscheidung Energieverbrauch digital im Griff – Für digitale Stromnetze braucht es gesetzliche Regelungen (Nr. 24-25/20) Hier im Staat Victoria in Australien haben wir schon seit mehreren Jahren Smartmeter. Die wurden gesetzlich eingeführt, die Kosten wurden über die Elektrizitätsrechnungen von jedem Nutzer getragen. Nach über einem Jahr entschied ich mich, in Solarzellen zu investieren. Gleichzeitig untersuchte ich die besten Tarife aus einer Auswahl von etwa 30 Anbietern. Da wir schon Smartmeter hatten, konnte ich problemlos meinen Stromverbrauch des letzten Jahres in Excel laden und dann für jede halbe Stunde unseren Verbrauch sehen. Etwas Datenanalyse wie Summen und Durchschnittsverbrauch („Dem Ingeniör ist nicht zu schwör“) half bei der Entscheidung für die optimale Größe der Solaranlage. Nach einem Jahr mit Solarzellen auf dem Dach machte ich wieder eine Analyse mit den neuen Daten, diesmal aber mit der Generation von unserer Solaranlage, wie es der Smartmeter sieht. Das heißt, nur wenn die Solarenergie den Eigenverbrauch übersteigt, wird das im Smartmeter gemessen. Erfolg dieser zweiten Rechnung ist, dass wir im letzten Jahr eine um 25 % geringere Elektrizitätsrechnung hatten und zusätzlich 15 % Eigenbedarf aus der Solaranlage bezogen. Das ist eine Ersparnis von 40 % an Elektrizität, die wir sonst aus fossilem Brennstoff beziehen müssten. Natürlich macht nicht jeder diese Rechnungen, aber hier wird von unserem Staat Unterstützung im Internet angeboten, wo man sich beraten lassen kann. Man muss die Zählernummer des Smartmeters eingeben, dann werden einige Fragen bezüglich des Haushaltsprofils gestellt, und das Ergebnis ist eine Liste mit den Anbietern, vom günstigsten bis zum teuersten Angebot. John Dardemann, Melbourne Erratum Forscherin aus Leidenschaft – Nicole Vorhauer-Huget erhält den Preis „Maria-Weber-Grant“ (Nr. 26-27/20) In dem Porträt wurde der Name der Preis trägerin Nicole Vorhauer-Huget wiederholt falsch geschrieben. Die Redaktion bittet Frau Vorhauer-Huget und die Leser um Entschuldigung. (Red.) n Leider können wir von den Zusendungen nur einen kleinen Teil veröffentlichen. Oft müssen wir kürzen, damit möglichst viele Leser zu Wort kommen. n Redaktion VDI nachrichten, Postfach 101054, 40001 Düsseldorf, leserbriefe@vdi-nachrichten.com n KONTAKT Ein weiter Weg zur Normalisierung Von Michael Grömling I ndustrieproduktion gestiegen! Wieder höhere Auftragseingänge! Exporte legen wieder zu! Das waren gute Meldungen in jüngster Zeit. Die IW-Konjunkturampel, die monatlich die wichtigsten Konjunkturindikatoren bündelt und bewertet, ist für Deutschland allerdings immer noch rot eingefärbt. Dies signalisiert jeweils eine merkliche Verschlechterung. Mittlerweise leuchten sogar mehr Felder rot als während der globalen Finanzmarktkrise der Jahre 2008 und 2009. Die bereits unmittelbar nach der Aufhebung des umfassenden Lockdowns einsetzenden Verbesserungen im Mai haben also noch nicht ausgereicht, um eine merkliche Erholung abzubilden. Einzig die Investitionstätigkeit profitiert noch von der bislang stabilen Bautätigkeit. Erfreulich ist immerhin, dass im April nach aktueller Fakten lage der Tiefpunkt erreicht wurde. Das verwundert nicht, wenn das Ausmaß der damaligen Lockdownmaßnahmen bedacht wird. Von da ausgehend, konnte es nur noch nach oben gehen. Bei aller Freude über diese Trendwende ist die deutsche Industrie von einer Normalität noch weit entfernt. Nimmt man den Mai 2019 als Maßstab, dann lag ein Jahr später die Industrieproduktion noch um fast 24 % darunter. Zum Vergleich: Im April belief sich der Produktionseinbruch gegenüber dem Vorjahresmonat auf 30 %. Bei den Aufträgen sind die Lücken zum Vorjahr noch gewaltiger. Und dabei sollte bedacht werden, dass das Jahr 2019 sogar ein rezessives Industriejahr war. Nimmt man 2018 als Benchmark, dann ist der Weg zur Normalisierung noch mal ein gutes Stück weiter. Das Konjunkturpaket der Bundesregierung setzt vielfältige Anreize für eine Erholung. Damit sollen Unternehmens zusammenbrüche verhindert und Beschäftigung und Einkommen der Verbraucher stabilisiert werden. Denn auch das Konsumklima ist trotz vieler Lockerungen im Keller. Vor allem die Beschäftigungssorgen bremsen die Kauflaune. Dazu kommt noch die Gefahr einer zweiten Infektionswelle mit dann entsprechenden gesundheitspolitischen Notwendigkeiten. Doch auch eine wieder kräftig anziehende Inlandsnachfrage wird nicht ausreichen, um die Industrie und die gesamte Volkswirtschaft wieder in den Normalbetrieb zurückzuführen. Rund die Hälfte ihrer Geschäfte tätigt die deutsche Industrie mit Kunden rund um den Globus. Und in vielen Ländern ist das Virus ungebremst auf dem Vormarsch. Südamerika ist in Schockstarre. Die USA bekommen die Ausbreitung des Virus nicht in den Griff. Was das ökonomisch bedeutet, ist schwer abzuschätzen. Jedenfalls werden die Prognosen für die US-Wirtschaft Monat für Monat nach unten korrigiert. Das gilt auch für eine Reihe von Ländern in Europa. Die Normalisierung der deutschen Exportgeschäfte kann also mehr Zeit in Anspruch nehmen als bisher erwartet. Einzig China scheint nach offizieller Lesart die Pandemie im Griff zu haben. Jedenfalls zeigen sich bei den verfügbaren Industrieindikatoren deutliche Verbesserungen in jüngster Zeit. Wie beständig diese Erholung sein wird, lässt sich derzeit ebenfalls kaum bewerten. Denn auch die chinesische Wirtschaft hängt in hohem Maße von ihrer weltweiten Kundschaft ab. IW-Konjunkturampel: Die deutsche Industrie ist weit entfernt von alter Stärke. Das Exportgeschäft wird noch lange leiden. „Einzig China scheint nach offizieller Lesart die Pandemie im Griff zu haben.“ Michael Grömling, Leiter der Forschungs gruppe Konjunktur (IW) Foto: IW Fast alle Indizes stehen auf Rot. Im Inland stützt allein die Bauwirtschaft noch die Investitionen. In vielen Ländern ist das Virus auf dem Vormarsch, was sich in den Daten für das Ausland niederschlägt. IW-Konjunkturampel – Juli 2020 Produktion Beschäftigung Nachfrage Relative Wertveränderung der letzten drei Monate gegenüber dem vorhergehenden Dreimonatsdurchschnitt. ■Verbesserung ■ keine relevanten Veränderungen ■ Verschlechterung ■ keine Daten vorhanden Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft, Stand: 14.7.2020 Industrieproduktion Auftragseingang Einkaufsmanagerindex Erwerbstätige Arbeitslose Arbeitslosenquote Konsum VGR Konsumentenvertrauen Investitionen Exporte Deutschland Eurozone USA China Intel-Tochter Mobileye testet hierzulande autonome Fahrzeuge Autonomes Fahren: Der zum Chipriesen Intel gehörende Videospezialist Mobileye bringt mit seiner Technik ausgestattete, selbstfahrende Autos für Tests nach Deutschland. Die Fahrzeuge sollen in München und Umgebung unterwegs sein, zunächst mit Sicherheitsfahrern am Lenkrad. „Das ist für uns ein wichtiger Schritt zur globalen Abdeckung“, erklärte Mobileye-Manager Johann Jungwirth. Geplant seien Fahrten im Stadtverkehr, auf Autobahnen sowie auf Landstraßen. Mobileye-Technik kommt bereits in vielen Fahrassistenzsystemen zum Einsatz. Bilder der Kameras nutzt die Firma dabei, um hochpräzise Straßenkarten zu erstellen, eine zentrale Voraussetzung für autonomes Fahren. Die israelische Firma will im Jahr 2022 einen komplett autonomen Robotaxi-Service in Jerusalem starten. Der Zeitpunkt für den Start eines solchen Dienstes in Deutschland werde vor allem von der gesetzlichen Grundlage abhängen, so Jungwirth. dpa/rb Experten fordern europäische IT Netze: Europa braucht nach Ansicht einer hochrangigen Expertengruppe aus Wissenschaft, Medien und Wirtschaft ein eigenes „digitales Ökosystem“. Dieses müsse europäischen Werten folgen, auf demokratische Kontrolle setzen und die digitale Souveränität Europas ermöglichen, erklärte eine Projektgruppe um den früheren SAP-Chef Henning Kagermann und den BR-Intendanten Ulrich Wilhelm letzte Woche. Nur so könne sich Europa aus seiner Abhängigkeit von US- und asiatischen Konzernen befreien. Die Experten legten das Impulspapier „European Public Sphere – Gestaltung der digitalen Souveränität Europas“ vor. Für den Präsidenten der TU München, Thomas F. Hofmann, hat die Corona-Krise noch einmal die Abhängigkeit Europas vor Augen geführt: „Ob Cloud-Systeme, Suchmaschinen, Kommunikationsdienste: Die digitale Welt ist in US-amerikanischer oder asiatischer Hand.“ rb n www.acatech.de/publikation/europeanpublic-sphere

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