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Stephan W. Eder, Iestyn Hartbrich, Spielverderber in:

VDI nachrichten, page 1 - 1

VDI nachrichten, Volume 75 (2021), Issue 04, ISSN: 0042-1758, ISSN online: 0042-1758, https://doi.org/10.51202/0042-1758-2021-04-1

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VDI Verlag, Düsseldorf
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29. Januar 2021 · Nr. 4 Einzelpreis 4,30 Euro 6867TECHNIK WIRTSCHAFT GESELLSCHAFT Karriere: Wer als Arbeitgeber etwas auf sich hält, trägt ein Qualitätssiegel. Immer mehr Unternehmen sind sich dessen bewusst. Vor allem große Mittelständler wollen so im Wettrennen um gute Mitarbeiter gegenüber den Konzernen an Boden gewinnen. Aber welches der mehr als 300 Siegel im deutschsprachigen Raum ist aussagekräftig? Der Markt ist un- übersichtlich, die Erhebungsmethoden sind teils sehr verschieden. Fest steht: Ein Siegel erspart Bewerberinnen und Bewerbern nicht den Blick aufs Unternehmen. 28 Qualitätssiegel mit Vorsicht genießen n ZITAT „Wenn die Gesundheitsämter jetzt mit Stolz verkünden, dass sie seit zwei Wochen keine Faxgeräte mehr einsetzen, sollten wir ins Grübeln kommen.“ Achim Berg, Präsident des IT-Branchenverbands Bitkom, zur Digitalisierung im Gesundheitswesen 8 Europäische Komission will die Bahn aufs Gleis setzen Schienenverkehr: Nur etwa 7 % des Personen- und 11 % des Güterverkehrs rollen derzeit über die Schiene. Die Bahn soll 2021 als Transportmittel attraktiver werden. Neben EU-weiten Maßnahmen zu rechtlichen Erleichterungen und Kostensenkungen zählen auch mehr Hochgeschwindigkeitszüge und bessere Verbindungen zu anderen Verkehrsträgern dazu. Bahn frei: Neue Angebote sollen mehr Personen und Güter auf die Schiene locken. Foto: R. Fellenberg10 Spielverderber Von Stephan W. Eder und Iestyn Hartbrich W asserstoff ist ein Versprechen: Alles bleibt so, wie es ist. Fossile Brennstoffe – Erdöl, Kohle, Erdgas – werden ersetzt durch Wasserstoff, der mit regenerativem Strom produziert wurde. Das kleinste Molekül soll die Schwerindustrie CO2-emissionsfrei machen und – je nach Szenario – den Schiffs-, Automobil- und Luftfahrtsektor gleich dazu. Klimaneutrales Heizen in allen Gebäuden nicht zu vergessen. Die Idee ist zweifellos verlockend. Ein Brennstoff, der zu sauberem Wasser verbrennt, der sich durch die vorhandenen Erdgasnetze einfach transportieren lässt, der unbegrenzt verfügbar ist. Aber hält der Wasserstoff sein Versprechen oder wird er zum Spielverderber? Das Gas ist flüchtig, dringt überall durch, versprödet andere Werkstoffe in Windeseile und ist für seine Explosivität bekannt. Zwar gibt es bereits viel Erfahrung mit Wasserstoff, allerdings kaum im großtechnischen Maßstab. „Wenn wir Wasserstoff im Flugzeug nutzen wollen, im Auto und im sentauglich funktioniert. Und das ist eine ganze Menge. Beim Deutschen Verein des Gas- und Wasserfachs, kurz DVGW, bleibt bezüglich der Gas infrastruktur kein Stein auf dem anderen. Alles wird gedreht und gewendet, das rund 1000-seitige Regelwerk muss fit werden – für 20 % Wasserstoffanteil im Erdgasnetz, für 30 % und für reinen Wasserstoff. „Wir gehen davon aus, dass wir ungefähr drei bis vier Jahre brauchen“, sagt DVGW-Chef Gerald Linke. Ein 15-Mio.-€-Projekt soll mehr Personal und Expertise bringen. Überall lockt das Versprechen des Wasserstoffs. In Sonnenländern des Südens entstehen Elektrolyseure in der Nähe von Solarparks, damit die Stahlkocher im Norden den Wasserstoff im Hafen abholen können (s. S. 6 und 7). Auch die Heizungsbauer machen sich fit für die Wasserstoffzukunft. Sie entwickeln in den kommenden Jahren Geräte, die sich automatisch an höhere Wasserstoffanteile anpassen. Selbst wenn Wasserstoff auf breiter Front handhabbar wird, all seine Geheimnisse hat das kleine Atom noch längst nicht preisgegeben. Der Stahlexperte Gault: „Wir wissen in vielen Fällen nicht, wohin der Wasserstoff wandert.“ Fokus Wasserstoff: Die Energiewende ist auf das kleinste Element gebaut: Wasserstoff. Ingenieure und Regelsetzer grübeln, wie ihm gefahrlos beizukommen ist. S.20 Stahlwerk, dann kommen nahezu alle in der Industrie verwendeten Komponenten damit in Kontakt: Rohre, Tanks, Elektroden, Turbinen, Ventile“, sagt Baptiste Gault vom Max-Planck- Institut für Eisenforschung. Alles, wirklich alles, muss auf den Prüfstand, damit gewährleistet ist, dass es in Anwesenheit dieses einfachsten aller Atome – ein Proton, ein Elektron, das wars – wirklich tadellos und mas- Foto: PantherMedia / bobyramone

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