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Ralf Fellenberg, Europa macht auf der Schiene mobil in:

VDI nachrichten, page 10 - 10

VDI nachrichten, Volume 75 (2021), Issue 04, ISSN: 0042-1758, ISSN online: 0042-1758, https://doi.org/10.51202/0042-1758-2021-04-10

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VDI Verlag, Düsseldorf
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10 TECHNIK & WIRTSCHAFT 29. Januar 2021 · Nr. 4 Von Ralf Fellenberg D as Jahr 2021 soll dem Schienenverkehr neuen Schub geben. Diese Initiative wurde im Dezember letzten Jahres vom Europäischen Parlament und vom Rat angenommen. Adina Valean, EU-Kommissarin für Verkehr, erklärte: „Unsere künftige Mobilität muss nachhaltig, sicher, bequem und erschwinglich sein.“ Die Bahn biete all das und viel mehr. Das Europäische Jahr der Schiene biete die Möglichkeit, diesen Verkehrsträger neu zu entdecken. „Wir werden diese Gelegenheit nutzen, um den Schienenverkehr durch eine Vielzahl von Maßnahmen dabei zu unterstützen, sein Potenzial voll auszuschöpfen.“ Aber warum gerade dieses Jahr? Das hängt zum einen mit dem Ziel der EU zusammen, als erster Erdteil eine Klimaneutralität bis 2050 zu erreichen, Stichwort Green Deal. Und dazu kann der Schienenverkehr erheblich beitragen. Der Personenund Güterverkehr auf der Schiene gilt als nachhaltig, ist er doch im derzeitigen Verkehrsmix für weniger als 0,5 % der verkehrsbedingten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Allerdings rollen nur etwa 7 % des Personen- und 11 % des Güterverkehrs über die Schiene. Die Initiative soll dazu beitragen, den Bahnanteil am Personen- und Güterverkehr zu erhöhen. Und 2021 ist auch das erste Jahr, in dem das vierte Eisenbahnpaket (s. Kasten) als wichtiger Schritt hin zum einheitlichen europäischen Eisenbahnraum voll umgesetzt sein soll. Wie in der vor Kurzem von der EU- Kommission angenommenen Strategie für nachhaltige und intelligente Mobilität dargelegt, wird sich das Europäische Jahr der Schiene auch in der Legislativ agenda der Kommission widerspiegeln. Darin enthalten sind Vorschläge für eine neue Partnerschaft in der Eisenbahnindustrie, bessere Verbindungen zwischen der Schiene und anderen Verkehrsträgern und eine insgesamt nachhaltigere Gestaltung des Güterverkehrs. So benennt diese Strategie wichtige Etappenziele wie die Verdoppelung des Schienengüterverkehrs, die Verdreifachung des Hochgeschwindigkeitsbahnverkehrs bis 2050, einen Aktionsplan zur Förderung des Schienenpersonenverkehrs sowie Fahrkartensysteme verkehrsträgerübergreifend zu vereinfachen. Über das Europäische Jahr der Schiene freut sich Anna Deparnay- Grunenberg, die als Berichterstatterin im Verkehrsausschuss und als Verhandlungsführerin für das Europäische Parlament maßgeblich beteiligt war. „Im Europäischen Jahr der Schiene 2021 feiern wir die Bahn als umweltfreundliches und zukunftsträchtiges Verkehrsmittel mit großer kultureller Bedeutung für Europa“, so Deparnay-Grunenberg. „Wir möchten aber auch konkrete Verbesserungen für den Bahnsektor anstoßen.“ Dazu gehören Investitionen ins grenzüberschreitende Schienennetz, Digitalisierung, der Ausbau europäischer Nachtzugverbindungen und die Schaffung fairer Wettbewerbsbedingungen unter den Verkehrsträgern. Insbesondere freue sie sich über die Entwicklung eines Konnektivitätsindex, der Lücken im Schienennetz identifizieren und so Investitionen lenken soll. Damit könne man europaweit ungenutzte Potenziale für die regionale Wirtschaft, nachhaltigen Tourismus und Kultur aufzeigen und besser ausschöpfen, meint Deparnay- Grunenberg. „Das ist ein Auftakt zu einer Renaissance der Schiene.“ Genauso sieht es auch der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), Branchenverband für über 600 Unternehmen des öffentlichen Personen- und des Schienengüterverkehrs. „Wir spüren für unsere Branche trotz eines schwie- Europa macht auf der Schiene mobil Schienenverkehr: Die EU-Kommission will die Vorteile der Bahn als nachhaltiges, intelligentes und sicheres Verkehrsmittel in den Vordergrund stellen. 2021 ist daher das Europäische Jahr der Schiene. Grundlagen des vierten Eisenbahnpakets (4. EP) Das 4. EP besteht aus sechs Gesetzestexten zur Vervollständigung des Binnenmarkts für Schienenverkehrsdienste (europäischer einheitlicher Eisenbahnraum). Übergeordnetes Ziel ist es, den Eisenbahnsektor wiederzubeleben und gegenüber anderen Verkehrsträgern wettbewerbsfähiger zu machen. Es besteht aus zwei „Säulen“: n Die „technische Säule“ soll die Wettbewerbsfähigkeit des Eisenbahnsektors steigern, indem die Kosten und der Verwaltungsaufwand für Eisenbahnunternehmen, die europaweit tätig sein möchten, erheblich gesenkt werden. Stichworte dazu sind: keine kostspieligen Mehrfachanträge bei den Fahrzeugzulassungen, Kompatibilität des Europäischen Eisenbahnverkehrsmanagementsystems (ERTMS), Verringerung der großen Anzahl verbleibender nationaler Vorschriften. n Die „Marktsäule“ legt das allgemeine Recht der in einem Mitgliedstaat ansässigen Eisenbahnunternehmen fest, alle Arten von Personenverkehrsdiensten überall in der EU zu betreiben, führt den Grundsatz der wettbewerbsfähigen Ausschreibung von öffentlichen Dienstleistungsaufträgen und weitere Regeln bei der Steuerung der Eisenbahninfrastruktur ein. Unausgelastet: Nur etwa 7 % des Personen- und 11 % des Güterverkehrs rollen derzeit über die Schiene. Foto: R. Fellenberg Wiederaufbau des Schienenverkehrs „Die neuen Dampflokomotiven der Deutschen Bundesbahn“ vom 11. August 1951 „Trotz des gewaltigen Wiederaufbauprogramms, das die Deutsche Bundesbahn zur Kompensierung der Ausfälle und Zerstörungen an rollendem Material und festen Anlagen nach dem Zusammenbruch 1945 übernehmen musste, ist sie bemüht gewesen, den Gedanken zur Schaffung von Einheitslokomotiven weiter fortzusetzen und damit den Bestand an Lokomotiven zu modernisieren. So sind seit September 1950 bis Februar 1951 drei neue Typen von Einheitslokomotiven in Dienst gestellt worden: eine Personenzug-Lokomotive Baureihe 23, eine Tenderlokomotive Baureihe 65 und eine Tenderlokomotive Baureihe 82.“ n www.vdi-nachrichten.com/100-jahre 1951 rigen Jahres nach wie vor den Rückenwind der Bürgerinnen und Bürger sowie der politischen Entscheider auf allen Ebenen. Das Europäische Jahr der Schiene soll deshalb für uns zum Neustart für die Mobilitätswende werden“, erklärt VDV- Präsident Ingo Wortmann. Die Verkehrsunternehmen in Deutschland würden hierfür ihren Beitrag leisten, denn ein „qualitativ hochwertiger Schienenverkehr spielt eine zentrale Rolle bei der Erreichung der Klimaschutzziele in Deutschland und Europa“. Geplant ist seitens der EU-Kommission eine Vielzahl von Aktivitäten, verteilt über das ganze Jahr. Ziel ist es, den Bahnverkehr auf dem gesamten Kontinent ins Rampenlicht zu stellen. Dazu gibt es eine Webseite (https://europa.eu/year-of-rail/), wo die geplanten Aktivitäten, Veranstaltungen und Projekte zu finden sind. Beleuchtet werden sollen die Dimension des Schienenverkehrs, Europas weltweit führende, innovative Eisenbahnindustrie, die Rolle der Eisenbahn für die europäische Kultur und das europäische Kulturerbe, die Bedeutung der Schiene für die Anbindung von Regionen, Menschen und Unternehmen, ihr Anteil am nachhaltigen Tourismus und auch ihre Rolle in den Beziehungen der EU zu Nachbarländern. „Vier Bedürfnisse entscheiden im Wesentlichen über die Wahl eines Verkehrsmittels: Komfort, Zeit, Preis und für immer mehr Menschen auch Nachhaltigkeit“, ist sich Michael Peter sicher. Denn, so der CEO bei Siemens Mobility: „Mit dem richtigen Mobilitätsangebot stehen viele Türen offen. Das europäische Jahr der Eisenbahnen ist ein guter Anlass darüber zu diskutieren.“ AUS DER HISTO RIE

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