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Martin Ciupek, Neuer Verband möchte Tempo beim Robotereinsatz erhöhen in:

VDI nachrichten, page 15 - 15

VDI nachrichten, Volume 75 (2021), Issue 04, ISSN: 0042-1758, ISSN online: 0042-1758, https://doi.org/10.51202/0042-1758-2021-04-15

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VDI Verlag, Düsseldorf
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29. Januar 2021 · Nr. 4 TECHNIK & WIRTSCHAFT 15 Neuer Verband möchte Tempo beim Robotereinsatz erhöhen Von Martin Ciupek A nfang des Jahres überraschte die Nachricht von der Gründung eines neuen Robotikverbands in Deutschland. Denn mit dem Fachverband „Robotik + Automation“ im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) sowie der International Federation of Robotics gibt es hier bereits zwei mächtige, lange etablierte Fachvereinigungen. Auch, dass der erste Vorsitzende des neuen „Deutschen Robotik Verbands“, Helmut Schmid, noch bis vor kurzem Vorstandsmitglied im VDMA- Fachverband war, könnte als Kampfansage bewertet werden. „Nein, so ist das natürlich nicht. Vielmehr sehen wir den neugegründeten Verband als Unterstützung und Ergänzung zum VDMA“, widerspricht Schmid, der mit dem Ausscheiden als Deutschlandchef bei Universal Robots Mitte 2020 satzungsgemäß auch aus dem Fachvorstand der Branchenvereinigung ausschied. Heute ist der Geschäftsführer des Münchner Beratungsunternehmens HS Auxsilium einer von drei Vorsitzenden des neuen Verbands, dem auch der ehemalige Midea-Manager und langjährige Chef von Fanuc Europa Olaf Gehrels sowie der Sicherheitsexperte Christoph Ryll angehören. Beim VDMA ist man über die Neugründung informiert, wollte sich aber nicht dazu äußern. Doch warum muss es gleich ein neuer Verband sein? „Wir wollen Mitglieder eher aus dem Bereich der kleinen und mittleren Unternehmen ansprechen, die heute noch Berührungsängste beim Einsatz der Robotik haben“, erklärt Schmid. Dazu zählt er auch hoch spezialisierte Handwerksbetriebe. „Für diese ist die Einstiegshürde im VDMA hoch. Zudem wünschen sich Kleinbetriebe Partner auf Augenhöhe“, verdeutlicht er. Gleichzeitig werde für KMU aber der Einsatz von Industrierobotern unterschiedlichster Art immer interessanter, insbesondere in Form von Leichtbaurobotern und mit dem Menschen kooperierenden Robotern – sogenannten Cobots. Olaf Gehrels, Vorsitzender und Sprecher des Deutschen Robotik Verbands, erklärt das so: „Wo in der Vergangenheit vielleicht die Technik fehlte oder Industrieroboter qualifiziertes Fachpersonal erforderten, sind heute Leichtbauroboter, insbesondere wenn sie kollaborativ eingesetzt werden, ein probates Automatisierungshilfsmittel für KMU.“ Der Mitbegründer des Start-ups Coboworx sagt zur Struktur der neuen Organisation: „Im Verband sind Macher. Wir sind ein sehr agiles Automation: Obwohl es mittlerweile viele einfach zu bedienende Roboter gibt, setzen kleinere Firmen sie eher zurückhaltend ein. Ein neu gegründeter Verband möchte genau diese Betriebe abholen. Team.“ Nicht große Organisationen oder Unternehmenseinheiten dominierten damit die Arbeiten in der neuen Organisation, sondern junge Unternehmen, agile Start-ups und erfahrene Beratungsunternehmen. Dadurch sei man auf Augenhöhe mit der Zielgruppe. Dass alle Vorstandsmitglieder mehr oder weniger Verbandserfahrung haben, bewertet er dabei als hilfreich. Über Potenziale zur verbands- übergreifenden Zusammenarbeit sagt Schmid: „Insbesondere bei der funktionalen Sicherheit, wo der VDMA als Treiber des Normengremiums gilt, wollen wir uns einbringen, um die Entwicklung weiter voranzutreiben, die Risikobewertung zu vereinfachen und den zukünftigen Anwendern von Automatisierung den Einstieg zu erleichtern.“ Hier handle es sich um eine grundlegende Funktion der Robotik, die man gerne gemeinsam bearbeiten und weiterentwickeln wolle. Damit soll gleichzeitig eine wesentliche Hürde für KMU überwunden werden. „Viele Betriebe kombeitete er mehrere Jahre bei Pilz in Ostfildern, einem auf Maschinensicherheit spezialisierten Unternehmen. Der Verband sieht eine gute Basis für den breiteren Robotereinsatz in Deutschland, aber auch noch einiges Potenzial. Der in München ansässige Helmut Schmid sagt dazu: „Wir haben beispielsweise wahnsinnig viele bayrische Fördermittel, aber wir haben kein wirkliches Robotercluster. Da schaue ich neidisch nach Odense.“ Das dänische Odense ist mit seinem Forschungscluster die Wiege von Roboterhersteller Universal Robots, für den er lange als Geschäftsführer in Deutschland tätig war. Inzwischen sind rund um das dort ansässige Forschungsinstitut zahlreiche weitere Roboterspezialisten entstanden, wie der Hersteller mobiler Industrieroboter MIR oder der Greiferspezialist OnRobot. Zwischen den Unternehmen gibt es oft enge Verbindungen. So ist beispielsweise mit Enrico Krog Iversen einer der Mitbegründer von Universal Robots als Investor und Vorstand bei OnRobot aktiv. „Dort ist es gelungen aus dem Robotikcluster ein Umfeld mit über 150 Start-ups zu generieren. Auch wenn das eine hehre Aufgabe ist, sollten wir so etwas in Deutschland zumindest versuchen“, verdeutlicht Schmid. An der TU München, dem KIT in Karlsruhe sowie der RWTH Aachen und der TU Dresden gebe es schon einige solcher Hotspots. „Hier wollen wir versuchen ein Netzwerk zusammen mit den Universitäten, Spin-offs und Start-ups aufzubauen, um ihnen eine Austauschplattform zu bieten.“ Schnell einsatzbereit sollen Roboter laut dem Vorstand des Deutschen Robotik Verbands sein. Gründungsmitglieder sind (v.l.) Christoph Ryll, Helmut Schmid und Olaf Gehrels. Mensch-Roboter-Kollaboration: Kleinere und einfach zu Installierende Lösungen sind zunehmend gefragt. Eine Hürde für kleine Betriebe ist allerdings bisher oft die Sicherheitsbewertung. men mit der Programmierung und der Inbetriebnahme der neuen Lösungen noch sehr gut klar, sind aber dann mit der Sicherheitskonformität überfordert“, erklärt Gehrels. Er konkretisiert: „Wir haben festgestellt, dass mehr als zwei Drittel aller Anwender die Problematik der sicherheitsrelevanten Anforderungen nach Maschinenrichtlinie erst erkennen, wenn der Roboter installiert ist.“ Das passiere selbst etablierten Unternehmen. Im Vordergrund steht für ihn deshalb die Hilfe zur Selbsthilfe bei den ersten Projekten der Anwender. „Als Verband wollen wir sicherstellen, dass das eine gute Erfahrung wird“, macht er deutlich. Als Lösung schwebt dem neuen Verband daher eine Art Checkbox vor, in der alle wichtigen Punkte abgehakt werden könnten. Laut Schmid arbeiteten Fraunhofer- Institute zudem bereits an Berechnungsmodellen, die künftig als Alternative zu den bisherigen Druckprüfungen beim Kontakt zwischen Mensch und Maschine dienen sollen. Er verdeutlicht: „Da haben die Berufsgenossenschaften ein wichtiges Wort mitzureden und deshalb wollen wir da viel Energie reinstecken.“ Ziel sei es eine herstellerunabhängige Beratung und am Ende komplette, zertifizierte Lösungen anzubieten. Expertise dazu bringt unter anderem der dritte Vorstand, Christoph Ryll, in den Deutschen Robotik Verband ein. Er ist geprüfter Sachverständiger im Fachbereich Maschinensicherheit sowie für Roboter und Handhabungssysteme im Bundesverband Deutscher Sachverständiger und Fachgutachter. Zuvor ar- Fo to : D eu ts ch er R ob ot ik V er ba nd Foto: panthermedia.net/ Wavebreak Media Ltd

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