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André Weikard, Abhängig von Einfuhren aus China in:

VDI nachrichten, page 18 - 18

VDI nachrichten, Volume 75 (2021), Issue 04, ISSN: 0042-1758, ISSN online: 0042-1758, https://doi.org/10.51202/0042-1758-2021-04-18

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VDI Verlag, Düsseldorf
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18 ROHSTOFFE 29. Januar 2021 · Nr. 4 Die Tonne Kupfer kostete an der London Metal Exchange (LME) Anfang Januar 2021 wieder über 8000 $ – so viel wie seit Februar 2013 nicht mehr. Die positiven Nachrichten über die Impfstoffentwicklung sowie die starke Nachfrage aus China sorgten für die neuen Höchststände. Hinzu kam, dass Ende November 2020 das peruanische Kupferbergwerk Las Bambas Lieferprobleme meldete. Straßenblockaden sorgten dafür, dass das Kupferkonzentrat des Bergwerks nicht mehr zum Verschiffungshafen geliefert werden konnte. Mitte Dezember 2020 haben sich chinesische Kupferhütten gemeinsam mit Freeport-McMoRan auf einen Hüttenlohn für das Jahr 2021 in Höhe von 59,5 $/t geeinigt. Das ist der niedrigste Wert seit 2011. Bergwerksproduzenten zahlen den Hüttenlohn an die Kupferhütten, um Kupferkonzentrat in raffiniertes Kupfer zu verarbeiten. Die Höhe der Hüttenlöhne spiegelt somit das Verhältnis von angebotenem Konzentrat und Hüttenkapazität wieder. Die aktuelle Lieferunterbrechung aus Peru führte dazu, dass der Hüttenlohn auf dem Spotmarkt im Januar sogar auf 40 $/t fiel. Marktbeobachter gehen davon aus, dass der Markt 2021 weiter angespannt bleiben wird. Zwar wird mit einer gesteigerten Bergwerksproduktion gerechnet, aber die Nachfrage durch zusätzliche chinesische Hüttenkapazitäten könnte höher ausfallen als die Produktionssteigerung. Zusätzlich haben die weltweit auferlegten Konjunkturpakete das Potenzial, die Kupfernachfrage weiter zu erhöhen. Der Fokus dieser Konjunkturpakete liegt auf der Förderung von CO2-armen Technologien wie dem Ausbau erneuerbarer Energien, der Elektrifizierung des Verkehrs und der Digitalisierung. Das wird die Nachfrage nach Kupfer, das hauptsächlich als Stromleiter eingesetzt wird, auch langfristig ansteigen lassen. Dennis Bastian Der Autor ist Experte für Industriemetalle bei der Deutschen Rohstoffagentur (DERA). n ROHSTOFFPREISE Preisentwicklung Kupfer + 20 % 100 % - 20 % + 50 % 24.4. 2017 bis 22.1. 2021 Grafik: VDIn 4/2021, Gudrun Schmidt Quelle: DERA Die in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) ansässige Deutsche Rohstoffagentur (DERA) analysiert und bewertet für die Leser der VDI nachrichten die Preise der Basismetalle. Die dargestellten Rohstoffpreise sind indexiert. Ausgangpunkt ist das Preisniveau vom April 2017. Die DERA ist das rohstoffwirtschaftliche Kompetenzzentrum für die deutsche Wirtschaft. Die DERA berät deutsche Unternehmen bei der nachhaltigen sowie sicheren Rohstoffversorgung und informiert über Preis- und Lieferrisiken auf den internationalen Rohstoffmärkten. Kupfer auf Rekordhoch Preisentwicklung Nickel + 50 % 100 % - 50 % + 100 % 24.4. 2017 bis 22.1. 2021 Grafik: VDIn 4/2021, Gudrun Schmidt Quelle: DERA Preisentwicklung Aluminium + 20 % 100 % - 20 % - 50 % + 50 % 24.4. 2017 bis 22.1. 2021 Grafik: VDIn 4/2021, Gudrun Schmidt Quelle: DERA Preisentwicklung Zinn + 20 % 100 % - 20 % - 50 % 24.4. 2017 bis 22.1. 2021 Grafik: VDIn 4/2021, Gudrun Schmidt Quelle: DERA Preisentwicklung Blei + 20 % 100 % - 20 % - 50 % + 50 % 24.4. 2017 bis 22.1. 2021 Grafik: VDIn 4/2021, Gudrun Schmidt Quelle: DERA Preisentwicklung Zink + 20 % 100 % - 20 % - 50 % + 50 % 24.4. 2017 bis 22.1. 2021 Grafik: VDIn 4/2021, Gudrun Schmidt Quelle: DERA Abhängig von Einfuhren aus China Von André Weikard D ie Abhängigkeit der europäischen Industrie von bestimmten Rohstoffimporten hat während der vergangenen Jahren stark zugenommen. Besonders die sogenannten Seltenen Erden, bei denen es sich vielmehr um seltene Metalle handelt, stehen dabei im Fokus. Sie stammen zu rund 95 % aus der Volksrepublik China. Ausgerechnet für die Umsetzung der beiden großen industriepolitischen Reformvorhaben der Europäischen Union, den Green Deal und die Digitalisierung, spielen die Seltenen Erden aber eine große Rolle. Sie finden bei der Energiespeicherung wie in der Konstruktion, im Automotive-Bereich wie im Flugzeugbau vielfach Verwendung. Deshalb hat die Europäische Kommission Ende September 2020 die Europäische Rohstoffallianz (European Raw Material Alliance, kurz: ERMA) ins Leben gerufen. Der Zusammenschluss aus rund 300 Mitgliedern, vornehmlich aus Industrie und Forschung, hat sich dem Ziel verschrieben, innereuropäische Alternativen in der Gewinnung der Rohstoffe zu fördern und die Ressourceneffizienz zu steigern. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier wirbt eindringlich für die Allianz: „Die Notwendigkeit der Digitalisierung, wachsender internationaler Protektionismus und die Verpflichtung, den Klimawandel erfolgreich zu bekämpfen und nachhaltig zu wirtschaften, zwingt uns dazu, unsere Rohstoffquellen zu sichern. Hierzu ist die ERMA eine hervorragende Idee. Wir unterstützen die Diversifizierung der Lieferketten und verbessertes Recycling ausdrücklich.“ In einem ersten Schritt wurden konkrete Vorschläge aus der Erkundung und Forschung, dem Bergbau und der Mineralaufbereitung bis hin zur Substitution, dem Recycling und der Kreislaufwirtschaft gesammelt und bewertet, um insbesondere die Abhängigkeit von Seltenen Erden zu reduzieren. Auch die Weiterverarbeitung, konkret die Fertigung von Dauermagneten, ist Teil der Betrachtung. Denn dieser Bereich, der etwa beim Bau von Windturbinen, aber auch in der Robotik Europäische Rohstoffallianz: Die EU reagiert auf die wachsende Bedeutung Seltener Erden und arbeitet an Alternativen zum Import. oder bei der Fertigung von Elektrofahrzeugen eine große Rolle spielt, wird ebenfalls von chinesischen Herstellern dominiert. Ihr Anteil am Weltmarkt liegt nach Angaben der ERMA bei über 80 %. Experten rechnen zudem damit, dass die Nachfrage nach Dauermagneten im nächsten Jahrzehnt sprunghaft ansteigen wird. Wachstumsraten von 15 % bis 20 % jährlich gelten als wahrscheinlich. Aussichtsreiche Ansätze der ersten Projektsichtung wurden im Rahmen einer ERMA-Investmentplattform bereits an mögliche Geldgeber vermittelt. Die 23 Projekte, die zum Ende vergangenen Jahres als vorrangig eingestuft wurden, könnten insgesamt ein Investitionsvolumen von bis zu 10 Mrd. € erreichen. So soll nicht nur die Verfügbarkeit von Rohstoffen gewährleistet werden, sondern auch technisches Know-how in der industriellen Weiterverarbeitung innerhalb der Union aufgebaut werden. Mittelfristig will die ERMA ihre Tätigkeit auf andere kritische Basismetalle ausweiten und dazu beitragen, regulatorische Hürden in der Rohstoffgewinnung abzubauen. Daneben soll die Industrie dabei unterstützt werden, eine Kreislaufwirtschaft, insbesondere bei komplexen Produkten wie E-Autos zu etablieren. Strategische Kooperationen mit Partnern aus Kanada oder Australien sollen helfen, die Lieferketten zu differenzieren und stabiler zu machen. Zudem plant die Rohstoffallianz ein agiles Verfahren zur Prüfung und Genehmigung konkreter Investitionsprojekte, die anschließend durch passende EU-Finanzierungen unterstützt werden. Nach vielen Jahrzehnten, in denen chinesische Förderer konkurrenzlos günstig Tagebau betreiben konnten, weil Umweltauflagen fehlten, zeichnet sich nun auch in China eine Wende ab. Illegale Minen werden zu Tausenden geschlossen, empfindliche Strafen verhängt, wo die deutlich verschärften Umweltgesetze übertreten werden. Parallel dazu unterliegen die begehrten Seltenen Erden zunehmend Exportbeschränkungen. Die Zeit für den Aufbau einer Europäischen Rohstoffallianz drängt. Monopol: Noch findet der Abbau Seltener Erden überwiegend in China statt. Die EU will das ändern. Foto: dpa Picture-Alliance/Wang Chun

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