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Wolfgang Schmitz, Die Macherin in:

VDI nachrichten, page 2 - 2

VDI nachrichten, Volume 75 (2021), Issue 04, ISSN: 0042-1758, ISSN online: 0042-1758, https://doi.org/10.51202/0042-1758-2021-04-2

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VDI Verlag, Düsseldorf
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n INHALT Die Sonne ist bereit 6 In Portugal kann mit Photovoltaik günstig grüner Wasserstoff für Zentraleuropa produziert werden. Deutschlands Industrie ist heiß auf das Ökogas, um CO2-Emissionen zu senken. Die Kois und das Biogas 12 Ein Forschungsprojekt bringt Karpfenzucht und Energiegewinnung zusammen. Im Mittelpunkt steht eine neuartige Nutzung von Blaualgen. Partnerschaft vor der Wiederbelebung 16 Joe Biden wird bei der Forschung auf Partner suche gehen. Europa sollte selbstbewusst darauf reagieren, raten Wissenschaftler. FOKUS: Wasserstoff 20 Was getan werden muss, damit das Atom die Energiewende trägt. Börsen-Hype setzt sich fort 25 Was liegt näher für Ingenieure, als zu investieren, wo sie sich auskennen – in Technik. Diesmal kommt der Wasserstofftrend unter die Lupe. Wehe, wenn der Hammer auf Rost trifft 26 Seit 60 Jahren muss jedes Fahrzeug die sogenannte TÜV-Plakette tragen. „Es ist mehr als ein Job“ 30 Gea-Group-Chef Stefan Klebert über seinen Berufsweg, sein Selbstverständnis als Manager und seinen Umgang mit Niederlagen. Aus dem VDI 39 VDI-Direktor Ralph Appel über die wichtigsten Themen des VDI in diesem Jahr. Technik Boulevard 40 Die virtuelle Consumer Electronics Show in Las Vegas war gespickt mit Innovationen – von intelligenten Lampen über Kuschel-Roboter bis zu Notebooks mit abnehmbarem Display (Foto). Fo to : O liv er R is ta u Fo to : P an th er M ed ia / b ob yr am on e Fot o: A ce r 2 DIESE WOCHE 29. Januar 2021 · Nr. 4 Aktueller Podcast: Ingenieure ohne Grenzen: Sauberes Wasser für alle n www.ingenieur.de/podcast Von Wolfgang Schmitz W en das Thema digitale Bildung bewegt und wer häufig Talkshows verfolgt, für den wird Verena Pausder keine Unbekannte sein. Die 41-Jährige streitet so kompetent und leidenschaftlich für ihr Anliegen einer technologisch modernisierten Schule, dass Handelsblatt und Boston Consulting Group Pausder mit der Auszeichnung „Vordenkerin 2020“ bedachten. 2016 kürte das Weltwirtschaftsforum die Gründerin, die mit Firmen wie Fox & Sheep sowie der Haba Digitalwerkstatt reüssierte, zum „Young Global Leader“. Die dreifache Mutter ist Chefin und Gesicht der Website homeschoolingcorona.com, die digitale Bildungsangebote in Form von Programmen, Tools und Tipps für die Lehre von zu Hause aus vorstellt. Eine wesentliche Triebfeder ist für Verena Pausder die Ungeduld. Die Zeit, alle Bildungssteine noch einmal umzudrehen und auf ihre Wirksamkeit zu untersuchen, sei vorbei. „Wir brauchen keine Runde mehr, die bespricht, welche Chancen die Digitalisierung den Schulen eröffnet. Wir haben alle Instrumente. Jetzt ist es nur noch eine Frage von Machen.“ In ihrem aktuellen Buch „Das Neue Land“ schreibt sie, wie schlafmützig die Republik, in der sie lebt, zuweilen sei und dass Corona viele Versäumnisse offengelegt habe. „Man hat dieses ‚Neue Land‘ lange höflich behandelt. Man hat sich mit dem ‚Neuen Land‘ geschmückt, es als sympathische Ergänzung gesehen, gerade das ,Digitale‘ war eine hübsche Zierde für den Industriestandort, aber: Man hat es nie ernst genommen.“ In Deutschland ruhe man sich so sehr auf den Lorbeeren vergangener Tage aus, dass man die Zukunft verschlafe. Man habe Angst vor dem Schmerz, den Wandel bedeuten könne, insbesondere vor dem „Übergang vom Industrie- zum Digitalkapitalismus“. Diesen Schmerz zu ertragen, werde sich aber lohnen, ist Pausder überzeugt. Unternehmerisch anzupacken, wurde ihr quasi in die Wiege gelegt. Die Wahl-Berlinerin entstammt der Bielefelder Industriellenfamilie Delius, die das gleichnamige Textilunternehmen betreibt. Womöglich ist „Machen“ daher für Pausder auch so etwas wie eine genetisch bedingte Logik. „Wer zwei Unternehmer als Eltern hat, kann sich dem kaum entziehen ... Aber es kann einen mitreißen, einen begeistern. Denn Unternehmertum heißt immer auch: Nichts ist wie gestern. Jeder Tag ist neu. Es gibt keine Routine. Kein Tag ist egal. Positiv wie negativ. Du bist always on“, schreibt die studierte Betriebswirtin, die Unternehmerin, Investorin, Aktivistin und Aufsichtsrätin bei der Comdirect Bank ist. Die Neigung, sich gesellschaftlich zu engagieren und sich zum Sprachrohr einer Bewegung zu machen, könnte sie von zwei prominenten Vorfahren geerbt haben. Beide hatten das Amt des Bundespräsidenten inne. Ihr Onkel war Johannes Rau, ihr Großvater Gustav Heinemann. Ihre Anliegen seien parteiübergreifend, betont Pausder. Das hielt sie nicht davon ab, der FDP im Jahr 2017 mehr als 50 000 € zu spenden. Es hatte ein Geschmäckle, dass die Haba Digitalwerkstatt – die Verena Pausder inzwischen verlassen hat – zwei Jahre später einen Auftrag in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro vom FDP-geführten Schulministerium in NRW erhielt. Pausder ist selbst Mitglied im FDP-Wirtschaftsforum. Das Engagement für digitale Bildung nimmt man Verena Pausder aber ohne Wenn und Aber ab. Sie stellt Fragen, ohne lange auf Antworten warten zu lassen. „Warum tun sich Lehrer und Eltern so schwer mit digitalen Geräten in der Schule? Weil sie sich nicht genug mit der Welt der Kinder beschäftigen. Sie wissen nicht, warum Schüler Zukunftskompetenzen, etwa zum Thema Robotics, brauchen.“ Die Politik verschont Pausder in ihrer Kritik nicht. „Wir brauchen von Ministerien und Schulträgern klare Dos und Don‘ts. Im Moment gibt es nur Don‘ts. Die Schulen werden mit der Digitalisierung allein gelassen.“ Dass aus dem milliardenschweren Digitalpakt erst ein geringer Prozentsatz an den Schulen angekommen ist, hält sie für ein Unding. Die Ausstattung sei auch für Lehrer immer noch unterirdisch schlecht. „Das ist, als ob ein Unternehmen seinem neuen Mitarbeiter sagt: Sie bekommen jetzt erst einmal keinen Laptop, sie können sich aber schon einmal mit der Verkabelung beschäftigen.“ Die Macherin Porträt: Die Gründerin Verena Pausder nutzt etliche mediale Kanäle, um für mehr digitale Bildung an deutschen Schulen zu werben. Verena Pausder kritisiert, dass man das „Neue Land“, das digitale Land, lange nicht ernst genommen habe. Verena Pausder n engagiert sich seit Jahren für digitale Bildung. Sie ist Gründerin von Fox & Sheep und den Haba Digitalwerkstätten. n 2016 wurde sie vom Weltwirtschaftsforum zum „Young Global Leader“ ernannt. Ein Jahr später gründete sie den Verein Digitale Bildung für Alle e. V. 2018 wurde sie in die „Forbes Europe’s Top 50 Women In Tech List“ aufgenommen. n In der Anfangsphase der Corona-Pandemie stellte die 41-Jährige die Plattform homeschooling-corona.com ins Netz. Handelsblatt und die Boston Consulting Group zeichneten sie als „Vordenkerin 2020“ aus. n Verena Pausder lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Berlin. Fot o: P at ry ci a Lu ka s

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Politik, Karriere, Bildung

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