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Harald Weiss, Das Wissen der Welt in:

VDI nachrichten, page 27 - 27

VDI nachrichten, Volume 75 (2021), Issue 04, ISSN: 0042-1758, ISSN online: 0042-1758, https://doi.org/10.51202/0042-1758-2021-04-27

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VDI Verlag, Düsseldorf
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29. Januar 2021 · Nr. 4 TECHNIK & KULTUR 27 Kammrätsel Tragen Sie die sechs Lösungswörter der unten stehenden Definitionen senkrecht in das Diagramm ein. Schließen Sie die Lücken der oberen Kammreihe und Sie erhalten das Lösungswort: eine Disziplin der Erforschung von Himmelserscheinungen. Die Auflösungen der beiden Technik-Rätsel finden Sie im Internet unter: www.vdi-nachrichten.com/raetsel. Das nächste Rätsel erscheint am 12. 2. 2021. n TECHNIK-RÄTSEL Schüttelwort-Rätsel In diesem Rätsel sind die sechs Buchstaben der sechs Wörter alphabetisch sortiert. Sortieren Sie die Buchstaben so um, dass sich sinnvolle Begriffe ergeben. Aus den markierten Feldern ergibt sich das Lösungswort: ein röhrenähnliches unterirdisches Bauwerk. 1. Pflanzengattung aus der Unterfamilie der Affodillgewächse 2. Gezeiten, oder auch Wasserbewegungen der Ozeane 3. Ebene rundliche konvexe Figur 4. Per E-Mail, Zeitung o. ä. verbreitete Falschmeldung 5. Web: Seiten, auf denen die Suchergebnisse dargestellt werden (Abk.) 6. Wertverhältnis von Währungen Von Harald Weiss S eit dem Start von Wikipedia am 15. Januar 2001 hat sie die früher renommierten Lexika, wie Encyclopaedia Britannica und Brockhaus, weit hinter sich gelassen. Denn Wikipedia hat sich zu einer Art Basiswissen der Welt etabliert. In den Industrienationen recherchiert ein User durchschnittlich neunmal im Monat bei Wikipedia. Die auf Cyberpsychologie spezialisierte Sozialpsychologin Catarina Katzer bringt es auf den Punkt: „Wikipedia ist weltweit eine Onlinemarke für Wissen geworden – und dieses Image hat sich bereits in unser Gehirn eingebrannt.“ Die Bedeutung von Wikipedia spiegelt sich in den aktuellen Zahlen wider. Anfang Januar lag Wikipedia auf Platz 13 der weltweit am häufigsten besuchten Webseiten. In den USA rangierte sie auf Platz acht, in Deutschland auf Platz sieben, in Österreich auf Platz sechs und in der Schweiz auf Platz vier. Bis 31. Dezember 2020 wurden über 55,6 Mio. Artikel in annähernd 300 Sprachen verfasst. Mit rund 6,2 Mio. Artikeln sind die meisten davon in Englisch. Deutsch ist mit 2,5 Mio. Beiträgen auf den Spitzenplätzen vertreten. Rund 5800 Autoren arbeiten regelmäßig an der deutschsprachigen Ausgabe; weltweit sind es über 200 000. Das alles läuft auf knapp 500 Linux-Servern, die in Tampa, Amsterdam und Ashburn eingerichtet sind. Pro Sekunde verarbeiten diese Systeme zwischen 25 000 und 60 000 Zugriffe. Hinter Wikipedia steht die Wikimedia Foundation, eine Non-Profit- Organisation mit Sitz in San Francisco. In vielen Ländern gibt es zudem unabhängige Wikimedia- Vereine; in Deutschland ist das die 2004 gegründete Wikimedia Deutschland (WMDE). Die Finanzierung erfolgt ausschließlich über Spenden. Die Ausgaben der Foundation beliefen sich 2017 auf 81,4 Mio. $, davon entfielen 47 % auf Gehälter für 350 Angestellte und 2,3 Mio. $ auf das Internethosting. 2018 belief sich die Spendensumme auf 97,7 Mio. $, in Deutschland betrugen die Erträge 8,9 Mio. €. Der Erfolg von Wikipedia hat naturgemäß auch viel Konkurrenz auf den Plan gerufen. Vor rund zehn Jahren startete das Onlineglossar twick.it (ein Schachtelwort aus „Twitter“ und „Wikipedia“) mit extrem kurzen Artikeln mit maximal 140 Zeichen. Doch nach 20 000 Artikeln wurde der freie Dienst wieder eingestellt. Seit Anfang 2015 wird er von einem kommerziellen Anbieter weitergeführt. Auch Google trat trotz seiner großzügigen Wikipedia-Spenden als Konkurrent in Erscheinung. Im Jahr 2008 wurde die enzyklopädische Datenbank Knol gestartet, doch das Projekt wurde 2012 wieder eingestellt. Die Aufrufzahlen von Wikipedia gingen erst zurück, als Google im Mai 2012 seinen Knowledge Graph verfügbar machte, der grundlegende Daten zu den eingegebenen Stichworten auf der Seite seiner Suchmaschine liefert. In Deutschland hat sich inzwischen eine sehr spezielle Konkurrenz etabliert: das Klexikon. Dabei handelt es sich um ein Onlinelexikon für Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren. Im November 2020 waren darin über 3000 Artikel abrufbar. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend stufte die Website inzwischen als „empfehlenswertes Kinderlexikon“ ein. Neben der Konkurrenz plagt sich Wikipedia aber auch mit Fehlern, Kritik und einer mangelnden Anerkennung rum. So stand bei Wikipedia über viele Jahre, dass der Rhein nicht 1320 km lang ist, sondern nur 1230 km. Doch dieser Zahlendreher stand zuvor auch in den gedruckten Lexika. Immer wieder sind autoritäre Staaten mit den bei Wikipedia geposteten Beiträgen unzufrieden. China, der Iran, Thailand, Tunesien und Usbekistan haben den Zugang zu Wikipedia zeitweise ganz oder in Teilen gesperrt. Wiki-Watch wurde 2016 an der Universität Viadrina in Frankfurt/ Oder gegründet. Deren Leiter, Johannes Weberling, sieht die Enzyklopädie äußerst kritisch: „Wikipedia hat in 20 Jahren sehr viel erreicht. Allerdings werden die Mängel immer offensichtlicher.“ Damit meint er, dass die Strukturen verworren und intransparent seien, wodurch die juristische Verfolgung von strafbaren und falschen Inhalten verhindert werde. Ein Streitpunkt sind auch immer wieder die von Wikipedia gelöschten Artikel. Hierzu ist Marjorie-Wiki entstanden. Hier werden „relevanzkritische Artikel“ aufbewahrt, die in der deutschsprachigen Wikipedia gelöscht wurden. Im Oktober 2020 waren dort über 41 000 Artikel enthalten. Im akademischen Umfeld wird Wikipedia oft die Zitierfähigkeit abgesprochen. Einzig die Fakultät für Physik der Universität Wien gestattete 2008 explizit Wikipedia zu zitieren. Dabei sieht sich Wikipedia zu Unrecht benachteiligt. Eigenen Angaben zufolge sollen zwischenzeitliche Untersuchungen belegen, dass „eine problembewusste Nutzung von Wikipedia als Informationsquelle sehr wohl möglich ist“. Dicke Lexika im Wohnzimmerschrank sind von gestern. Wer sich heute schlau machen will, greift zu Notebook oder Smartphone. Foto: mauritius images / Stefan Kiefer Rund 5800 Autoren arbeiten regelmäßig an der deutschsprachigen Wikipedia; weltweit sind es mehr als 200 000 Das Wissen der Welt Internet: Wikipedia wurde 20 Jahre alt. Zeit für eine Würdigung.

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Schlagworte

Kultur, Internet, Bildung

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