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Wolfgang Schmitz, Kein Anti-Trump in:

VDI nachrichten, page 28 - 28

VDI nachrichten, Volume 75 (2021), Issue 04, ISSN: 0042-1758, ISSN online: 0042-1758, https://doi.org/10.51202/0042-1758-2021-04-28-1

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VDI Verlag, Düsseldorf
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n KOMMENTAR Kein Anti-Trump Joe Biden ist US-Amerikaner. Deshalb steckt auch in ihm ein sattes Stück „America first“. Und so denkt und handelt der ranghöchste Diener des Staates auch. Die Hoffnung aber ist groß, dass sich Bidens Menschenbild erheblich und guttuend von dem seines Vorgängers unterscheidet und er erkennt, dass viele Herausforderungen weder Grenzen noch Mauern kennen. Davon kann die europäische Wissenschaft profitieren, indem sie nach düsteren Tagen wieder enge Bande mit US-Forschern knüpft. Aber nicht ausschließlich mit ihnen. Der 78-jährige Biden ist Realist genug, um zu wissen, dass die USA nicht mehr der Nabel der Welt sind. Er wird mit Argwohn beobachten, wie Deutschland und Europa mit China flirten. Er weiß auch, dass Klimawandel und Pandemien globale Lösungen brauchen und klassisches Ost-West-Denken mit eisernen Vorhängen Forschungsschnee von gestern ist. Gelingt Biden die Quadratur des Kreises und die USA gewinnen an demokratischer Stabilität, wäre sein Land zwangsläufig ein zuverlässigerer und glaubwürdigerer Partner als der totalitäre Überwachungsstaat in Asien. Deutschland und Europa sollten die US- Forschung selbstbewusst begleiten, nicht vor ihr buckeln, dabei die gesamte Forschungswelt im Auge behalten. Das ist nicht nur wissenschaftspolitisch geboten, sondern auch dem Überleben der Menschheit geschuldet. Um selbstbewusst zu (ver)handeln, braucht es eine starke und auf EU-Ebene harmonierende und werteorientierte Forschungslandschaft. Was es auch braucht, ist eine Balance zwischen Ethik, Umwelt und ökonomischem Nutzen, zwischen Wettbewerb und Kooperation, zwischen Vertrauen und Skepsis; vor allem aber: attraktive und planbare Karrierewege für Wissenschaftler. Künftig wird sich Technologieführerschaft nicht mehr so extrem nach wirtschaftlichem Profit ausrichten, sondern nach dem Gemeinwohl. Biden macht es vor: Er setzt auf Grundlagenforschung und damit auf das, was gemeinhin gefordert wird: disruptive Lösungen für Probleme, an denen klassische Mittel oft scheiterten. Vielleicht ist es ja bald auch nicht mehr der betagte Biden, der die Strippen zieht. In einem Jahr sei es seine Stellvertreterin Kamala Harris, munkelt man. Aber das ist ein anderes Thema. (siehe Seite 16) n wschmitz@vdi-nachrichten.com Wolfgang Schmitz, Redakteur: Starke Forschung dank attraktiver Wissenschaftskarrieren. Foto: VDIn/Zillmann 28 KARRIERE & MANAGEMENT 29. Januar 2021 · Nr. 4 Von Stefanie Hornung F rank Rohde werden regelmäßig Arbeitgebersiegel angeboten. Bei dem HR- Direktor von Adobe aus Hamburg kommt das nicht an. Sein Unternehmen hat sich längst für ein Siegel von „Great Place to Work“ entschieden, der Internationalität wegen. „Wir haben hier in Deutschland unter unseren Beschäftigten eine gute Arbeitsstimmung – und das möchten wir auch zeigen“, so der HR-Manager. Heute trägt fast jedes größere Unternehmen ein Siegel. Es gibt sie wie Sand am Meer. Schätzungen von Marktbeobachtern zufolge dürften es schon mehr als 300 im deutschsprachigen Raum sein. Doch was sagen sie über die „Qualität“ der Arbeitgeber aus? Der Markt ist un- übersichtlich, die Erhebungsmethoden teils diametral verschieden. Die einen erstellen Bestenlisten und kassieren bei Arbeitgebern, die sich damit schmücken möchten. „Die besten Arbeitgeber Deutschlands 2020“ von Focus Business und Kununu oder „Deutschlands attraktivste Arbeitgeber und Hochschulen“ von Trendence gehören in diese Kategorie. Andere basieren auf einer aufwendigen Zertifizierung, meist in Form einer Mitarbeiterbefragung, wie bei „Top Job“ der Zeag AG oder bei „Top Employer“ des Top Employers Institute. Daneben gibt es noch Selbstverpflichtungssiegel, bei denen sich Arbeitgeber zu einem bestimmten Thema bekennen, so etwa bei „Charta der Vielfalt“ oder „Erfolgsfaktor Familie“. Die Liste „Deutschlands Beste Arbeitgeber“ von Great Place to Work setzt auf eine anonyme Mitarbeiterbefragung und ein „Kultur-Audit“. Frank Rohde, der bei Adobe europaweit für strategische HR-Prozesse zuständig ist, schätzt den Marketingeffekt des Siegels. Insbesondere kurz nach der jährlichen Preisverleihung nutze das Unternehmen dies gezielt in der Kommunikation. Ihm gehe es aber vor allem darum, als Arbeitgeber Feedback von Beschäftigten zu bekommen. „Im Anschluss an die Mitarbeiterbefragung setzen wir uns zusammen, analysieren die Ergebnisse und machen einen Action-Plan“, so Rohde. Zuletzt habe man beim Thema Diversity gepunktet, mit einem eigenen Sonderpreis für das Thema. Auch die Corona-Politik hätten die Beschäftigten sehr positiv konnotiert, darunter die frühe Ankündigung, dass bis Sommer dieses Jahres niemand mehr ins Büro müsse, die Unterstützung bei der Homeoffice- Ausstattung und zusätzliche Urlaubstage. Gleichzeitig habe Frank Rohde in der aktuellen Befragung einen ziemlich lauten Ruf der Vertriebsmitarbeiter vernommen, dass sie mehr in die Planung involviert werden möchten. „Daran arbeiten wir gerade und haben ein neues Council dafür eingerichtet.“ Allein in Deutschland betreut Great Place to Work laut eigenen Angaben jedes Jahr 700 Unternehmen und befragt 100 000 Mitarbeitende. Auch das Top Employers Institute ist international unterwegs und zertifiziert rund 1600 Unternehmen weltweit. Top Employers ist für Unternehmen gedacht, die mehr als 250 Mitarbeitende beschäftigen oder zu einem internationalen Konzern gehören. Doch es gibt auch Siegel, die sich auf KMU fokussieren, Top Job beispielsweise. Oliver Scharfenberg zählt mit seiner Firma SQC-QualityCert kleinere Unternehmen mit 20 bis 50 Beschäftigten zu seinen Kunden. Gemeinsam mit dem DIQP – Deutsches Institut für Qualitätsstandards und -prüfung bietet er die Siegel „Top Arbeitgeber“, „Top Ausbildungsbetrieb“ und „Familienfreundlicher Arbeitgeber“, die auf Mitarbeiterbefragungen und einer Selbsteinschätzung der Arbeitgeber beruhen. Scharfenberg hat eine Einsteigervariante im Programm, die es auch ohne Mitarbeiterbefragung gibt: „Attraktiver Arbeitgeber“. Faktoren wie die wirtschaftliche Lage des Unternehmens und die Leistungen des Arbeitgebers für Beschäftigte kommen hier zum Tragen. „Unsere Fragen sind öffentlich zugänglich. Das unterscheidet uns von vielen anderen Arbeitgebersiegeln.“ Die DIQP-Auszeichnungen kosten 2500 € bis 4000 €, anderswo sei es das Doppelte. Dass vor allem Konzerne durch ihre Marken eine große Anziehungskraft als Arbeitgeber hätten, verstehe sich von selbst. Da seien kleine Unternehmen schnell auf verlorenem Posten. „Mit einem vernünftigen, bezahlbaren Arbeitgebersiegel schaffen wir eine Art Waffengleichheit der Kleinen mit den Großen“, findet er. Cem Karanfil, Geschäftsführer des Ingenieurbüros Karanfil Engineering mit 25 Beschäftigten in Sindelfingen, hat das überzeugt. Seit August trägt die Firma das Siegel „Top Arbeitgeber“ (DIQP), da sie in der Mitarbeiterbefragung die nötigen 80 % der Gesamtpunktzahl deutlich überschritten habe. Das Unternehmen schreibt Tests für die Automobilindustrie und entwickelt Messanlagen. Mitarbeitende sind Mechatroniker, Techniker, Wirtschaftsinformatiker oder Diplomingenieure aus dem Maschinenbau. Sie sollten analytisches Denken mitbringen, die deutsche Rechtschreibung perfekt Ein neues Siegel für neue Arbeit n New Work erstmals messbar machen. Das verspricht das Siegel der New Work SE. Neben einer Arbeitgeberbefragung mit 59 Fragen zu zwölf New-Work-Kriterien, die die Handelshochschule Leipzig (HHL) entwickelt hat, zählen die Bewertungen eines Unternehmens auf dem Arbeitgeberbewertungsportal Kununu, einem Tochterunternehmen der New Work SE. n „Eine kritische Masse an Kununu-Bewertungen von Mitarbeitern“ ist sogar Voraussetzung für die Teilnahme am Qualifizierungsprozess. Eine repräsentative Stichprobe in puncto Hierarchieebene, Geschlecht oder Alter – ein wichtiges Kriterium für die Qualität von Arbeitgebersiegeln – bietet das neue Label nicht: Fake-Einträge lassen sich auf Kununu nicht ausschließen. Qualitätssiegel mit Vorsicht genießen Personalmarketing: Geschätzt gibt es im deutschsprachigen Raum mehr als 300 Arbeitgebersiegel. Bewerberinnen und Bewerber können sich ihnen kaum entziehen, obwohl die Aussagekraft oft gering ist.

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