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Peter Sieben, Claudia Burger, „Es ist mehr als ein Job“ in:

VDI nachrichten, page 30 - 30

VDI nachrichten, Volume 75 (2021), Issue 04, ISSN: 0042-1758, ISSN online: 0042-1758, https://doi.org/10.51202/0042-1758-2021-04-30

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VDI Verlag, Düsseldorf
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30 KARRIERE & MANAGEMENT 29. Januar 2021 · Nr. 4 „Es ist mehr als ein Job“ Von Claudia Burger und Peter Sieben VDI nachrichten: Kommen Sie aus einem Haushalt, wo Ihr Lebensweg als Ingenieur vorgezeichnet war? Klebert: Eigentlich gar nicht. Mein Vater war Beamter, der hatte mit Handwerk und Technik überhaupt nichts zu tun. Bei uns hat zu Hause eher immer meine Mutter die Nägel in die Wand gehauen, wenn etwas zu machen war, oder natürlich ich, als ich etwas älter war. Aber offensichtlich hatte ich schon immer ein gewisses handwerkliches Talent. Ich habe schon als kleiner Bub viel gebastelt. Mit 15 Jahren habe ich aus einem alten Rasenmäher ein Motor-Gokart gebaut. Damit wurde ich in den Weinbergen erwischt, da gab es dann Ärger. Jetzt sind Sie kein kleiner Bub mehr und haben als Manager eine beeindruckende Karriere hingelegt. Würden Sie sagen, Sie sind ein ehrgeiziger Mensch? Bin ich sicher. Ich glaube, das gehört dazu. Wenn Sie was erreichen wollen und eine Tätigkeit aus- üben wollen, dann müssen Sie ein überdurchschnittliches Maß an Engagement einbringen, sonst geht es nicht. Aber das ist nicht alles. Man muss Spaß haben: an der Aufgabe, am Produkt, das man vertritt, am Unternehmen. Und man muss auch Menschen mögen, wenn man so eine Position ausfüllen will. Können Sie sich an Ihren ersten Job erinnern, als Sie zum ersten Mal als Ingenieur tätig waren? Mit welchem Gefühl sind Sie da eingestiegen? Ja, das war bei der Firma Festo. Schon im Studium hatte ich viel Kontakt zu Festo und habe als Student in den Semesterferien dort gearbeitet. Ich denke gern daran zurück, denn ich hatte in den ersten Jahren einen sehr prägenden und charismatischen Chef. Das hat mir sehr geholfen. Wenn ich gefragt werde, wie man Karriere macht und was wichtig ist, dann sage ich immer: Ihr müsst euch nicht nur die Firma aussuchen, sondern vor allem auch den Chef. Das ist ganz wichtig. Wo kann ich etwas lernen, wo kann ich etwas abgucken. Das hat mich sehr geprägt. Gab es denn auch mal eine Bruchlandung in Ihrer beruflichen Laufbahn? Ja, die gab es auch. Ich war CEO der Firma Nordex und bin dort nach sechs Wochen raus. Viele Dinge waren ganz anders, als man mir erklärt hatte. Und wir hatten dann einfach unterschiedliche Auffassungen. Daraus habe ich gelernt, dass man sich zum einen wichtige Entscheidungen im Vorfeld sehr gut anschauen, zum anderen aber auch lernen muss, dass man sich nicht immer auf alle Führung: Gea-Group-Chef Stefan Klebert äußert sich im Interview zu seinem Berufsweg, seinem Selbstverständnis als Manager, seinem Umgang mit Niederlagen und zur Frauenquote. Menschen verlassen kann. Das Dritte ist, dass man manchmal auch Entscheidungen treffen muss, ohne zu wissen, wohin sie konkret führen. Für mich war klar, das ist nicht mein Weg. Ich wusste nicht, was als Nächstes kommt. Aber es ging sehr gut weiter und ich habe es nie bereut, dass ich es so gemacht habe. Wie gehen Sie mit Rückschlägen um? Aufstehen, Staub abschütteln und weiterlaufen. Niederlagen kommen und man muss sie auch ein Stück weit als Normalität begreifen. Es geht jedem Menschen so. Da gibt es Tage oder Wochen, in denen hat man das Gefühl, es läuft überhaupt nichts. Man bringt nichts wirklich voran. Oftmals läuft nicht alles so, wie man es sich vorstellt, privat und beruflich. Dann kommt eine andere Phase und es läuft wieder. Das ist etwas, was man immer wieder sich vor Augen halten muss und sagen muss: Wenn es runtergeht, geht es irgendwann auch wieder rauf. Man muss einfach nur durchhalten. In Ihrer Laufbahn mussten Sie immer wieder harte Einschnitte bekannt geben, die nicht so populär waren und durch die Mitarbeiter auch den Job verloren haben. Bereitet Ihnen das manchmal schlaflose Nächte? Man hat in einer Funktion wie meiner eine sehr große Verantwortung. Der muss man sich bewusst sein. Steve Jobs hat mal gesagt: „If you want to be popular, sell ice cream.“ Das ist sehr vereinfacht, trifft aber den Kern. Man kann es nicht allen recht machen. Was bedeutet Ihnen Teamwork? Das ist ganz besonders wichtig. Ich habe in meinem Berufsleben die besten Erfolge erzielt, als ich eine Mannschaft hatte, die einfach super zusammengepasst hat. Das ist die größte und wichtigste Aufgabe eines CEOs: Leute zu suchen und zu finden, die zusammenpassen, sich ergänzen, auch eine gewisse Diversity ausstrahlen und wissen: Wo ist mein Platz, wo kann ich was beitragen? Teamwork ist absolut notwendig. Es gibt wenige Ausnahmelichtgestalten auf der Welt, die allein in der Lage sind, Dinge massiv zu verändern. 99 % der Menschen sind darauf angewiesen, dass es ein Team gibt, in dem sie Qualitäten und Kompetenzen ergänzen können. Sie sind ein Topmanager. Kann man Ihren Job teilen? Ist es möglich, Jobsharing zu machen? Das wird schwierig. In so einem Job ist es nicht möglich, Urlaub zu machen. Man kann in den Urlaub gehen und Dinge zurückfahren, aber: Sie nehmen die Aufgabe immer mit. Auch eine Bundeskanzlerin kann es sich nicht leisten, eine Woche nicht in die Mails zu gucken und zu sagen: Ich bin dann mal weg. So ist es als Topmanager auch. Von daher ist es nicht nur eine Frage von Teilzeit oder Vollzeit. Es ist ein Commitment. Wenn man so eine Aufgabe annimmt, ist es mehr als ein Job. Wie denken Sie über die Frauenquote in Aufsichtsräten und Vorständen? Ich glaube, dass Diversity einem Unternehmen extrem guttut. Ich glaube auch, dass wir zu wenige Frauen in technischen Unternehmen haben. Wir haben auch zu wenige Ingenieurstudentinnen. Es gibt viele Frauen, die sagen, ich studiere lieber Medizin oder Jura statt einer Ingenieurwissenschaft. Das ist auch ein Teil der Wahrheit. Ob eine Frauenquote zielführend ist, da bin ich mir unsicher. Das Beste wäre, wir finden alle zu einer Normalität, wo es ausschließlich um die Qualifikation geht. Das muss das Ziel sein. Ich glaube, es ist wichtig, dass wir immer im Vordergrund stehen haben: Eine Funktion muss optimal besetzt sein. Wie kommt es, dass so wenige Ingenieurinnen und Ingenieure auf Vorstandsposten sitzen? Ich glaube, wir haben heute mehr als vor 20 Jahren. Damals waren das in den meisten Dax-Konzernen Juristen oder Kaufleute. Heute gibt es viele Ingenieure oder Naturwissenschaftler an der Spitze von technischen Unternehmen. Ich glaube, Ingenieure haben eine gewisse strukturierte Art des Denkens gelernt. Darauf kommt es in diesen Topjobs an. Sie haben ja selbst noch einen MBA gemacht, das heißt, Sie haben betriebswirtschaftliches Know-how. Das ist sicherlich Grundvoraussetzung als Ingenieur, als Ingenieurin, wenn man Karriere machen will? Ja, es ist sicherlich immer die Frage, wo man einsteigt. Ich habe direkt nach dem Maschinenbaustudium als Assistent des Vertriebsvorstands gearbeitet, also relativ technikfremd, auch wenn es ein technisches Unternehmen war. Während meines ganzen Berufslebens habe ich bei meinen Tätigkeiten viel mehr die kaufmännischen Elemente gebraucht. Ich habe nie konstruiert oder eine Blindleistung in einem elektrischen System errechnet oder eine Festigkeitsüberprüfung machen müssen. Wenn Sie als Ingenieur in die Entwicklungsabteilung oder Forschungsabteilung gehen, ist es sicher etwas anderes, da sind kaufmännische Dinge nicht so entscheidend. Ich kann aber jedem Ingenieur nur raten, sich da weiterzubilden, weil es am Ende bei jeder Firma darum geht, Geld zu verdienen. Stefan Klebert n ist seit Februar 2019 Vorsitzender des Vorstands der Gea Group, dem er seit November 2018 als Mitglied angehört. Klebert wurde im Juni 1965 in Stuttgart geboren. n Die Gea Group beschäftigt rund 20 000 Menschen weltweit. Der Maschinen- und Anlagenbauer ist spezialisiert auf die Lebensmittelindustrie, die Getränkeindustrie und die Pharmazie und kooperiert mit Pfizer. Der Konzern ist im MDax gelistet – hier finden sich die 60 größten deutschen Unternehmen nach den 30 Dax-Konzernen. cer Gea-Chef Stefan Klebert sieht eine wichtige Aufgabe darin, Leute zu finden, die sich ergänzen und sich fragen, wo sie etwas beitragen können. Foto: GEA Group Langfassung des Interviews: vdi-nachrichten.com/ karriere/elon-muskist-eine-lichtgestalt/ Das ungekürzte Gespräch mit Stefan Klebert hören Sie in unserem Podcast „Prototyp“ von ingenieur.de und VDI nachrichten: www.ingenieur.de/ prototypcer n FERNSTUDIUM

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Schlagworte

Personal, Management, Karriere

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