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Jürgen Gießing, Fit im neuen Jahr – so gelingt es in:

VDI nachrichten, page 32 - 32

VDI nachrichten, Volume 75 (2021), Issue 04, ISSN: 0042-1758, ISSN online: 0042-1758, https://doi.org/10.51202/0042-1758-2021-04-32-1

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VDI Verlag, Düsseldorf
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32 KARRIERE & MANAGEMENT 29. Januar 2021 · Nr. 4 Im digitalen Miteinander Von Barbara Willms W as wäre die Wirtschaft in Zeiten der Pandemie ohne die Videokonferenz? Dort kann man/frau jederzeit, überall, in sicherer Distanz und dazu noch reisekostenfrei miteinander kommunizieren. Und das sehr lebhaft und echt. Aber nur fast. Die Videokonferenz hat ihre eigenen Regeln. Damit kommt nicht jeder gleichermaßen gut zurecht. Doch keine Sorge: Das virtuelle Miteinander lässt sich gestalten und trainieren. Warm-up, Small Talk, Kaffeepause – drei Begriffe, die nicht zur digitalen Konferenz passen. Oder doch? „Ja klar“, sagt der Psychologe Sebastian Buggert vom Rheingold Institut in Köln. „Man sollte darauf achten, dass sich auch in Videokonferenzen ein soziales Miteinander entwickelt, weil von dieser Verbundenheit die Qualität und Produktivität abhängen.“ Eine kurze informelle Runde zum Warmwerden kann viel zum Gelingen beitragen. Es gibt Ausnahmen: Wenn es mal so richtig brennt, müssen eben alle schnell vor den Laptop, und los gehts. Aber ansonsten gilt es, möglichst viel von dem, was den menschlichen Umgang ausmacht, in die virtuelle Konferenz zu übertragen. Das fange bei der Vorstellung an, erklärt Sebastian Buggert: „Am Anfang sollten alle einmal zu sehen und zu hören sein, weil in größeren Runden diejenigen ohne eigenen Redeanteil sonst gar nicht wahrgenommen werden.“ Sitzhöhe, Kamerawinkel, Licht und Ton. In der Videokonferenz hängt viel von der Technik ab. Sie entscheidet mit, wie engagiert, kompetent und glaubwürdig die Teilnehmer wirken. Zwar ist die Qualität der Übertragung nicht immer beeinflussbar, aber alles andere lässt sich ausprobieren, üben und häufig auch verbessern oder austauschen. Buggert empfiehlt: „Es lohnt sich, in gute Hardware zu investieren. Die Technik ist das Nadelöhr.“ Die Rolle des Moderators ist in der digitalen Konferenz besonders wichtig. Bildausschnitt und Blickwinkel sind begrenzt, Interaktionen der Teilnehmer nicht leicht einzuschätzen. Psychologe Buggert rät daher: „Der Moderator sollte nicht nur auf die Einhaltung der inhaltlichen Ziele, sondern auch auf die Beteiligung und die Gesprächsatmosphäre achten.“ Dazu gehört auch die gezielte Ansprache zurückhaltender Teilnehmer der Videokonferenz, die andernfalls unsichtbar und ungehört bleiben würden. Chaos? Nein, danke. Je mehr Teilnehmer, desto mehr Disziplin ist gefragt. Eine Begrenzung der Redezeit kann in großen Runden sinnvoll sein. Sebastian Buggert erinnert Arbeit: In der Videokonferenz läuft einiges anders als beim gemeinsamen Meeting vor Ort. Wer sich gut vorbereitet, kommt gut rüber. sich an erste, chaotische Videokonferenzen: „Einige haben zu lange geredet, nicht gespürt, wann sie aufhören sollten, daraufhin wurden andere ungeduldig, haben weniger gut zugehört, sind nicht produktiv auf die Vorredner eingegangen.“ Weil das vielschichtige Feedback fehlt, ist es nicht so einfach, ein Gespür dafür zu entwickeln, wie der eigene Beitrag ankommt. Ist die Videokonferenz daher anstrengender als die analoge? „Ja“, sagt der Psychologe Buggert. „Weniger fassbares Feedback bringt Unsicherheit mit sich. Die zu überwinden, kann anstrengend sein.“ Selbstdarsteller und Schüchterne. Beide haben es nicht leicht in der Videokonferenz, da es auf Effizienz, Präzision und Schnelligkeit ankommt. Lange Unterhaltungseinlagen wirken hinderlich, zögerliche oder ausbleibende Antworten kommen auch nicht gut an – selbst wenn sich dahinter noch so viel fachliche Kompetenz versteckt. Gefragt sind konzentrierte, aktive, am Austausch interessierte, souveräne Teilnehmer. Training mit der Schauspielerin. Wer kein Naturtalent in puncto digitaler Präsenz ist, kann an seiner Performance arbeiten. Kristin Buggert, Schauspielerin, Absolventin der Folkwangschule Essen, hat sich nach einigen Jahren auf Theaterbühnen, bei Fernsehen und Film zum Systemischen Coach ausbilden lassen. Sie ist mit dem Psychologen Sebastian Buggert verheiratet, das Thema digitale Präsenz ist einer ihrer beruflichen Überschneidungspunkte. Kristin Buggert bietet mit ihrem Unternehmen „Just Act“ für Einzelpersonen und kleine Gruppen digitales Training für die Videokonferenz an. Sie selbst hat virtuelle Konferenzen häufig als nicht gerade Finde den Fehler! Auch wenn Frauchen sich nur schwer von ihm trennen kann, hat der Hund nichts in der Videokonferenz zu suchen. Foto: PantherMedia/ angenehm erlebt. „Es war ein bisschen so, als sei man eingesperrt, jeder in seiner eigenen Zelle. Das Gegenüber ist ein kleines schwarzes Kameraloch.“ Digitale Enge überwinden – aber wie? Im virtuellen Miteinander stehen nur wenige Ausdrucksmittel zur Verfügung. Der Bildausschnitt ist meist halbtotal, man sieht also nur den Kopf, den Oberkörper, vielleicht noch die Hände. Umso wichtiger sind die Mimik und eine Gestik, die das Gesagte unterstreicht. Von entscheidender Bedeutung sei der Einsatz der Stimme, erklärt Kristin Buggert: „Wir brauchen Lebendigkeit in unserer Präsentation, müssen mehr über die Stimmmodulation machen und Akzente setzen. Das geht über Betonungen, Pausen, Einschübe und Wiederholungen. Mit der Lautstärke sollten wir vorsichtig sein – zu lautes Sprechen wird als unangenehm empfunden und lenkt vom Inhalt ab.“ Die virtuelle Konferenz als Bühne. Kristin Buggert rät, sich auf die Teilnahme an einer Videokonferenz wie auf eine Rolle vorzubereiten: „Zunächst sollte man klären, welche man innehat: etwa die des Chefs, eines Teammitglieds oder eines Dozenten.“ Die Rolle bestimme die innere und äußere Haltung. Entsprechend macht man sich zurecht, kleidet sich. Das passende Styling und angemessene Kleidung helfen. „Auch wenn man die Anzughose nicht sieht, führt sie zu einer ganz anderen Haltung und Ausstrahlung als die Jogginghose “, sagt die Schauspielerin und Trainerin. „Aber abseits aller Tipps und Tricks im Details ist wichtig, dass man seinen ganz eigenen kommunikativen Stil findet, sodass man sich auch digital sicher fühlt und natürlich agieren kann.“ n FIT IM JOB Fit im neuen Jahr – so gelingt es Wie jedes Jahr lautete auch zu Beginn des Jahres 2021 einer der guten Vorsätze vieler Menschen: „Mehr Bewegung, mehr für die Gesundheit tun!“ Das eine bewirkt tatsächlich das andere. Der positive Einfluss ausreichender Bewegung auf die Gesundheit ist inzwischen so ausreichend belegt, dass es keine Zweifel mehr geben kann: Regelmäßige Bewegung ist gut für die Gesundheit. Und noch etwas wissen wir inzwischen: Es muss nicht gleich eine (neue) Sportart sein. Ein flotter Spaziergang reicht häufig schon aus, um Effekte zu erzielen. Und es kommt noch besser: Die Bewegungszeit kann sogar in einzelne „Häppchen“ eingeteilt werden, ohne dass dies die Wirksamkeit reduziert. Im Englischen spricht man deshalb von der „Sandwich“-Methode. Dreimal 10 min Bewegung am Tag bringen etwa den gleichen Effekt wie einmal 30 min. Das macht es einfach, Bewegungsabschnitte in den Alltag einzubauen, die sich im Tagesverlauf zu einer ausreichenden Bewegungseinheit summieren. Am besten gelingen diese Veränderungen, wenn sie als Rituale in den Alltag eingebaut werden. Die üblichen Tipps in diesem Zusammenhang sind daher keineswegs so banal, wie sie auf den ersten Blick vielleicht erscheinen. Sie führten in Studien tatsächlich zu einem messbaren Effekt. Zu diesen Tipps gehören die üblichen Ratschläge: Nehmen Sie prinzipiell die Treppe statt des Aufzugs. Wenn Sie in einem Hochhaus arbeiten, steigen Sie zumindest ein paar Stockwerke früher aus und gehen den Rest zu Fuß. Steigern Sie von Woche zu Woche die Zahl der zu Fuß zurückgelegten Stufen. Treppensteigen ist übrigens eine derart gute Trainingsform, dass der Stepper zu den beliebtesten Trainingsgeräten in den Fitnessstudios gehört. Beim Treppensteigen aktivieren wir so gut wie alle Muskeln der Beine sowie die Gesäß- und Hüftmuskulatur. Diese sind nicht nur die größten Muskeln des Menschen, sondern auch genau diejenigen, die sich bei (zu) langem täglichen Sitzen zurückbilden. Es gibt Büros, in denen die Kaffeemaschine genau aus diesem Grund im Dachgeschoss platziert wurde. Auch der Weg zur Arbeit kann für mehr Bewegung genutzt werden. Dazu müssen Sie nicht gleich auf das Rad umsteigen, obwohl das natürlich eine gute Idee wäre. Sie können auch einfach Ihr Auto weiter weg vom Büro parken und noch ein paar Schritte zu Fuß gehen oder bei Fahrten mit dem ÖPNV eine Station (später dann zwei usw.) früher aussteigen. Wenn Sie Bewegungshäppchen in Ihren Alltag integrieren und zu festen Ritualen machen, bekommen Sie jeden Tag Ihre Dosis an Bewegung. Damit verbessern Sie die Sauerstoffversorgung in Ihren Zellen, erhöhen den Energieverbrauch, senken den Blutzuckerspiegel und wirken Verspannungen und Muskelverkürzungen entgegen. Wenn Sie dann noch ein Muskeltraining oder eine Joggingrunde absolvieren, ist das natürlich umso besser. Aber unabhängig davon gilt stets die goldene Regel: Jeder Schritt macht fit! Jürgen Gießing ist Autor zahlreicher Bücher zu Sportthemen, besonders zu Krafttraining und Muskelaufbau. Sein aktuelles Buch „HIT – neu und verbessert“ ist bei Novagenics erschienen. Jürgen Gießing ist Professor für Sportwissenschaft an der Universität Koblenz- Landau. Foto: privat

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