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Stephan W. Eder, H wie Hype in:

VDI nachrichten, page 8 - 8

VDI nachrichten, Volume 75 (2021), Issue 04, ISSN: 0042-1758, ISSN online: 0042-1758, https://doi.org/10.51202/0042-1758-2021-04-8-1

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VDI Verlag, Düsseldorf
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Achim Berg n ist seit 2017 Präsident des IT-Branchenverbands Bitkom. n kümmert sich beim US- Investor General Atlantic um deutsche Firmen wie Flixbus. n leitete zuvor u. a. als CEO Microsoft Deutschland, die Bertelsmann-Tochter Arvato, war im Vorstand der Deutschen Telekom. n studierte Wirtschaftsinformatik an der FH Köln. 8 TECHNIK & WIRTSCHAFT 29. Januar 2021 · Nr. 4 n KOMMENTAR H wie Hype Markus Umierski ist überzeugt, der Weg in eine Wasserstoffwelt ist nicht mehr weit. Der Vorsitzende des VDI-Ausschusses „Verbrennungskraftmaschinen“ hält die technischen Herausforderungen für beherrschbar, daher wünscht er sich: „Wir müssen viel stärker herausstellen, dass uns Wasserstoff mit recht einfachen Mitteln helfen kann, relativ viel für den Klimaschutz zu tun. Das muss man breiter bekannt machen.“ Schließlich gelinge es jetzt schon „mit relativ konventioneller Technik dezentral ‚grün‘ erzeugten Wasserstoff“ wieder in Strom zu wandeln. Es geht also was mit Wasserstoff. Alles, was bisher einen Verbrennungsmotor hat, ließe sich auch mit Wasserstoff betreiben. Eine Sache der Ingenieurkunst und eine gute Botschaft für den Mobilitäts- wie den Gebäudesektor. Mit Wasserstoff lässt sich aber auch die Schwerindustrie wunderbar dekarbonisieren; die Stahlbranche ist dabei ganz vornedran. Offenbar ist Wasserstoff auch in der chemischen Industrie das Mittel der Wahl. Überall sprießen Projekte aus dem Boden, die in möglichst großem Maßstab ausprobieren, wie sich das machen ließe. Gilt es da Wasser in den Wein zu gießen, wo doch gefühlt jede deutsche Schlüsselindustrie eine Wasserstoffwirtschaft bitter nötig hat – oder sogar ihr Schicksal an sie knüpft? Nein, aber der Einwand sei erlaubt: So schnell geht es nicht. Fraglich erstens, ob die Gasnetze in Deutschland die benötigten Mengen Wasserstoff transportieren können. Zweitens wird eine ausgefeilte Importinfrastruktur nötig sein. Die aber gibt es noch nicht. Es ist eine ganze Menge Wenn und Aber. Kommt hinzu, dass vor allem grüner Wasserstoff ein knappes Gut ist. Und wenn er knapp ist: Wer ist dann am wichtigsten? Die deutsche Automobilbranche? Die Chemie? Der Stahl? Eine Frage, die niemand gerne beantworten will. Ganz schnell ist daher der Einwurf gemacht: Na, wenn er knapp ist, vielleicht ließe sich der eine oder andere Bereich nicht auch anders erfolgreich dekarbonisieren? Auch da liegen Alternativen auf dem Tisch. Es gilt also mehrgleisig zu fahren. Manchmal klingt es, als könnte Wasserstoff die ganze Welt retten. Solche Erwartungen können nur enttäuscht werden. n seder@vdi-nachrichten.com Stephan W. Eder, Energieredakteur, sieht gute Chancen für Wasserstoff, aber auch Einschränkungen. Foto: VDIn/Zillmann Von Regine Bönsch VDI nachrichten: Herr Berg, wenn Sie hören, dass die Schulen bis Mitte Februar geschlossen bleiben, was denken Sie da? Berg: Dass die Schulen in den Lockdown gingen – und das hoffentlich konsequent –, ist natürlich richtig. Was ich nicht akzeptieren kann, sind die Bedingungen in den Schulen bzw. im Homeschooling. Wir sind jetzt seit zehn Monaten in dieser Corona-Ausnahmesituation und haben immer noch keine einheitlichen Bedingungen für die digitale Schule. Das ist u. a. eine der wenigen negativen Folgen des Föderalismus. Vor etwas mehr als drei Jahren haben wir den Digitalpakt Schule mit großer Kraftanstrengung auf die Straße gebracht. Mittlerweile liegen dort 6,5 Mrd. € in einem Topf, die kaum abgerufen werden. Die Handhabungsverfahren für diese Gelder sind extrem bürokratisch und aufwendig. Ich habe es mir angeschaut: In einem Fall waren es 43 Seiten, die ausgefüllt werden mussten. Was mich wirklich wütend macht, ist die Ambitionslosigkeit. Wer ist ambitionslos? Es gibt doch engagierte Lehrer und Eltern ... Viele Bildungspolitiker sind ambitionslos, wenn es darum geht, diese Thematik konsequent anzugehen. In Dänemark beispielsweise hat die Regierung wenige Tage nach dem ersten Lockdown dafür gesorgt, dass die Verlage kostenlose Lizenzen für den Onlineunterricht zur Verfügung stellen. In Estland gibt es einen riesigen Pool von digitalen Lernangeboten, der auch anderen Ländern zur Verfügung gestellt wird. Es geht also. Wenn jetzt hierzulande einzelne Lehrer und Eltern das ganz toll machen, haben wir ein paar Insellösungen, mehr nicht. Die Kultusminister müssen Rahmenbedingungen vorgeben, die Schulen und Lehrer dann umsetzen. Es kann nicht sein, dass Lehrer sich in rechtliche Grauzonen begeben müssen, um innovativen Unterricht zu gestalten. Sie sprechen damit den Einsatz von Whatsapp, Zoom und anderen Programmen an? Ich frage mich seit Monaten, ob sich irgendein Geheimdienst für den Unterricht der 6. Klasse eines Gymnasiums interessiert. Die Schul-Cloud des Hasso-Plattner-Instituts (HPI), die für Millionen Euro entwickelt wurde, regelt Rechtliches. Wieso wird sie nicht genutzt? Ich bin einer der Väter der HPI- Cloud. Und jetzt fordern Sie als Bitkom- Präsident eine bundesweit einheitliche Plattform? Ja, das kann z. B. Moodle oder die HPI-Cloud sein (s. VDI nachrichten 36/20). Wichtig ist, dass es eine nationale Lösung gibt, die die Angebote der verschiedenen Bundesländer vereint: eine Oberfläche, eine Authentifizierung. Die Plattform muss breit getestet, die Strukturen geprüft sein. Schulen sollten das nicht selbst aufbauen. Wichtig sind ja die Inhalte und die Lizenzen. Es gibt viele private Anbieter, die seit Jahren an Plattformlösungen arkriegen? Es muss doch möglich sein, eindeutig zu regeln, was datenschutzrechtlich erlaubt, was verboten ist. Bei Moodle ist es schwerer – da müssen sie immer wieder neu datenschutzrechtliche Absprachen treffen. Bei der HPI-Lösung wird das ein einziges Mal in der Cloud erledigt, oder? Ja, da hätten wir schon mal eine Lösung. Es gibt natürlich auch noch US-Unternehmen wie Microsoft und Google mit ihren Schulversionen. Fakt ist: Die können datenschutzkonform eingesetzt werden. In der aktuellen Situation muss doch das Recht auf Bildung erfüllt werden. Da kann niemand an lange entwickelten, funktionierenden Werkzeugen vorbeischauen. Stichwort Infrastruktur: Wie kann es sein, dass Schulen keinen Breitbandanschluss haben? Das lasse ich so nicht gelten. Wenn man ins Detail geht, können nur ganz wenige Schulen nicht breitbandmäßig angeschlossen werden. 98 % aller Haushalte können an 50 Mbit/s angeschlossen werden. Dann gibt es mittlerweile auch 5G. Der Ruf nach Breitbandigkeit ist in vielen Fällen lösbar. Viele Schulen nutzen die verfügbaren Anschlüsse nicht, sondern begnügen sich mit einem Kostenlosangebot. Damit bekommt man Internet ins Sekretariat, nicht aber Gigabit in jedes Klassenzimmer. Ich kann nur die Schulen, die Probleme haben, bitten, sich mit der Kommune oder den Infrastrukturanbieter in Verbindung zu setzen. Das ist leider noch die Ausnahme. Aber auch die Praxis ist fragwürdig: Wenn jemand PDF-Formulare beiten. Wieso nicht von dem Wissen profitieren? Es ist doch alles da. Es ist frustrierend, dass das nicht genutzt wird. Hat es nicht manchmal den Anschein, als wollten sich Bundesländer oder Kommunen hier mit Eigenentwicklungen profilieren? Was bleibt ihnen denn anderes übrig, wenn sie keine klaren Ansagen Foto: Bitkom „Bildungspolitiker sind oft ambitionslos“ Informationstechnik: Bitkom-Präsident Achim Berg ärgert sich über die mangelhafte Digitalisierung von Schule und Gesundheitswesen in Deutschland.

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